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Datum:
08.09.2012
Autor:
Thorsten Greb
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/medienforschung/einzelansicht/artikel/der-geist-der-vergangenheit-analphabetismus-weiterhin-ein-ernstzunehmendes-problem.html
Title:
Der ‚Geist der Vergangenheit‘ – Analphabetismus weiterhin ein ernstzunehmendes Problem
Kategorie:
Medienforschung
gastautoren stift

Der ‚Geist der Vergangenheit‘ – Analphabetismus weiterhin ein ernstzunehmendes Problem

mutter mit kind
© Pro777, dreamstine.de

Jedes Kind soll die Chance auf eine Grundschulbildung bekommen, um grundlegende Lese- und Schreibkompetenzen zu erlernen, darauf legten sich fast auf den Tag genau vor zwölf Jahren 189 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen mit ihrem Beschluss über die Millennium-Entwicklungsziele fest. Heute, zum Weltalphabetisierungstag 2012, lässt sich festhalten, dass die Weltgemeinschaft ihrem Ziel ein Stück näher gekommen ist. Aber die Anstrengungen müssen weiter intensiviert werden, das zeigt nicht zuletzt der aktuelle Alphabetisierungsbericht der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur – kurz UNESCO

Darin kommt die UNESCO-Kommission zu dem Ergebnis, dass weltweit rund 775 Millionen Menschen weder lesen noch schreiben können. Diese Zahl ist erschreckend hoch – bedeutet aber eine Verbesserung gegenüber der Situation in den späten 1990er Jahren. Insbesondere in Südasien und Nordafrika hat sich die Alphabetisierungsquote seither spürbar erhöht - am geringsten ist sie noch immer in Subsahara Afrika. „Die Regierungen geben weltweit zu wenig Geld für die Alphabetisierung aus, obwohl Bildung ein Menschenrecht ist", sagt Dr. Roland Bernecker, Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission, anlässlich der Präsentation des Berichts.

Fehlende Lese – und Schreibfähigkeiten sind jedoch keine begrenzten Probleme der am wenigsten entwickelten Länder der Erde - und erst recht kein Randphänomen. Auch über dem hochentwickelten Europa schwebt der Analphabetismus noch immer wie ein ‚Geist der Vergangenheit‘ - so beschrieb es kürzlich der zypriotische Bildungsminister Giorgos Demosthenous. Zypern führt noch bis Ende 2012 die EU-Ratspräsidentschaft und hat die Bekämpfung des Analphabetismus in der Europäischen Union ganz oben auf die Präsidentschaftsagenda gesetzt.

In der Europäischen Union verfügt jeder fünfte Jugendliche im Alter von 15 Jahren nicht über grundlegende Lese- und Schreibfähigkeiten. Damit liegt die Europäische Union abgeschlagen gegenüber anderen hochentwickelten Weltregionen. Unzureichende Lese- und Schreibfähigkeiten bringen nicht nur für die betroffenen Jugendlichen große Probleme mit sich – eine unzureichende Alphabetisierung geht nicht selten mit sozialer und beruflicher Exklusion einher - sondern sie führen über lange Sicht zu einem immensen volkswirtschaftlichen Schaden. Würde die Europäische Union ihr gestecktes Ziel erreichen und bis 2020 die Zahl der Jugendlichen, die nicht über die Basics beim Lesen und Schreiben verfügen, auf 15 Prozent reduzieren, könnte dies langfristig einen Wohlstandsgewinn von rund 21 Milliarden Euro bedeuten, heißt es in einer Presseerklärung der zypriotischen EU-Ratspräsidentschaft.

In der digitalisierten Welt ist die Alphabetisierung bedeutender denn je. Wer nicht über basale Fähigkeiten beim Lesen und Schreiben verfügt, hat es schwer, einen Zugang zu den neuen Medien zu finden, die unser Leben immer stärker bestimmen werden. Die Gefahr, dass ein Teil der Kinder und Jugendlichen in der beschleunigenden Informationsgesellschaft abgehängt wird, weil Lese- und Schreibkompetenzen fehlen, ist mehr als ein Geist der Vergangenheit, es ist ein leibhaftiges Problem, dem es sich zu stellen gilt.   

Wie wichtig Lesen lernen und Leseförderung für die gesellschaftliche Teilhabe heute ist und in Zukunft sein wird, weiß die Erziehungswissenschaftlerin und Leseforscherin Bettina Muratović von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. „Solange Lesen in unserer Gesellschaft als Kulturtechnik für die Teilhabe in privaten und öffentlichen Lebensbereichen unverzichtbar bleibt, solange kommt auch dem Lesenlernen eine entscheidende Bedeutung zu. Eine Schlüsselkompetenz ist lesen heutzutage ebenfalls in Bezug auf digitale Medien und muss als Teil einer umfassenden Medienkompetenz verstanden werden.

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08.09.2012
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Thorsten Greb
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Der ‚Geist der Vergangenheit‘ – Analphabetismus weiterhin ein ernstzunehmendes Problem
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