Über diesen Artikel
Datum:
07.09.2011
Autor:
Sascha Steuer
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/wikipedia-diskutiert-einfuehrung-eines-filters-gegen-jugendgefaehrdende-inhalte.html
Title:
Wikipedia diskutiert Einführung eines Filters gegen jugendgefährdende Inhalte
Kategorie:
Jugendmedienschutz
gastautoren stift

Wikipedia diskutiert Einführung eines Filters gegen jugendgefährdende Inhalte

wikipedia presseraum
© Wikimedia-Presseraum

Die Diskussion in der Wikipedia-Community läuft zurzeit auf Hochtouren. Die Frage lautet, ob jugendgefährdende Inhalte durch den Nutzer quasi geblockt werden können oder nicht? Notwendig dafür wäre ein automatischer Filter, der die Inhalte zunächst erkennt. Der Nutzer könnte dann über die Einstellungen von Wikipedia diese Inhalte für sich oder andere Nutzer des PCs verbergen lassen. So wären Kinder vor extremen Gewaltdarstellungen und Pornografie geschützt.

Beschlossen wurde das Vorhaben durch den Stiftungsrat der Wikimedia Foundation, es folgte eine Abstimmung, die zu einem differenzierten Meinungsbild führt. Demnach stehen 41,2 Prozent dem Vorhaben eher kritisch gegenüber, 29 Prozent neutral und 29,8 Prozent positiv. Noch bis zum 15. September können die deutschen Wikimedia-Mitglieder gesondert darüber abstimmen, ob sie das Vorhaben für prioritär halten oder nicht. Die bisherigen deutschen Kommentare sind wesentlich klarer mehrheitlich negativ als auf internationaler Ebene. Dabei werden erneut die klassischen deutschen Einwände von „Zensur“ und „Eingriff in die Neutralität“ erhoben.

In den auf Wikipedia gelisteten Argumenten gegen die Filterung wird explizit auf die Nutzung in der Schule eingegangen: „Auch in Schul- und sonstigen Lehrbüchern finden sich Darstellungen von Gewalt oder expliziter Sexualität. Offenbar wird dies didaktisch nicht in Zweifel gezogen.“ In welchem Schulbuch in Deutschland Gewalt oder explizite Sexualität á la Internet jemals abgedruckt wurde, bleibt das Geheimnis des Wikipedia-Autors. Es ist gerade die Aufgabe von Lehrerinnen und Lehrern pädagogisch unterschiedliche Stufen von Gewalt und Sexualität nur altersgerecht in den Unterricht einzubringen.

Auch der nächste Punkt ist von überraschender Unwissenheit über die deutsche Rechtsordnung geprägt: „Schulen könnten ihre Schüler anweisen, u.a. bei Benutzung der deutschsprachigen Wikipedia die Filter zu aktivieren und keinen Gebrauch von der Bilder-Einblendmöglichkeit zu machen. Für Schüler, die diese Anweisung befolgen und keinen anderweitigen Internetzugang haben, käme das einer Zensur gleich.“ Diese „Zensur“ ist jedoch die Pflicht öffentlicher Einrichtungen. Im aktuellen Leitfaden der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei und der Landesanstalt für Medien NRW zu Filtern heißt es: „Im Hinblick auf den Jugendmedienschutz gilt: Jugendlichen ist der Zugang zu den Medien zu verwehren, die gewalthaltige oder pornographische Darstellungen enthalten und daher als jugendgefährdend einzustufen sind. In öffentlichen Einrichtungen haftet, wer den Zugang zu jugendgefährdenden Medien über das Internet für Kinder und Jugendliche ermöglicht. Im Eingangsbeispiel sind das die Betreiber des Internetcafés. Gerade öffentlichen Institutionen kommt beim Jugendmedienschutz eine aktive Rolle zu und viele nutzen deshalb Filtersoftware für die Zugangsbeschränkung.“

Ob diese Filterung im Sinne des Jugendschutzes nun Zensur ist oder nicht, bleibt eine Frage der Definition. Lexikalisch ist Zensur „die staatliche Überwachung und Unterdrückung von Veröffentlichungen in Print- und audiovisuellen Medien, um die Publizistik im Sinn der Staatsführung oder der herrschenden Partei oder Klasse zu beeinflussen.“ Wikipedia hingegen sieht Zensur auch wenn „Gesetzen zuwiderlaufende Inhalte unterdrückt“ werden. Danach wäre sogar das Verbot von Tabakwerbung im Fernsehen ebenfalls Zensur. Unabhängig von der Definition des Begriffs plant Wikipedia die Ein- und Ausschaltbarkeit des Filters. Es würde also kein Nutzer unwissentlich um wichtige Inhalte gebracht.

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07.09.2011
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Sascha Steuer
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Wikipedia diskutiert Einführung eines Filters gegen jugendgefährdende Inhalte
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