Über diesen Artikel
Datum:
21.06.2012
Autor:
Sascha Steuer
Aktionen:
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/thomas-rathgeb-das-internet-muss-ein-thema-in-der-familie-sein.html
Title:
Thomas Rathgeb: „Das Internet muss ein Thema in der Familie sein“
Kategorie:
Jugendmedienschutz, Gastbeitrag / Interview
Thomas Rathgeb und Sascha Steuer

Thomas Rathgeb: „Das Internet muss ein Thema in der Familie sein“

Thomas Rathgeb und Sascha Steuer

Thomas Rathgeb und Sascha Steuer

Immer mehr Kinder gehen ins Internet, die wenigsten von ihnen werden von ihren Eltern dabei begleitet. Mit der Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen befasst sich seit 1998 der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest. DIGITAL LERNEN sprach mit dem Leiter des MPFS Thomas Rathgeb.

Sascha Steuer: Herr Rathgeb, was war der Anstoß Ihre Untersuchungen auch auf die Mediennutzung der Familien auszuweiten?

Thomas Rathgeb: Die JIM-Studie befasst sich mit den Jugendlichen - also den 12 – 19-jährigen – und die KIM-Studie mit den 6 – 13-jährigen, plus deren Haupterzieher, wobei wir dort aufgrund des Zeitbudgets den Haupterziehern nur einen kleinen Fragebogen geben konnten. Dabei haben wir gemerkt, dass das Elternhaus schon eine gewisse Rolle in der Mediennutzung spielt. Die Frage ist, was wird in der Familie gemeinsam gemacht und wird über Medien zu Hause gesprochen? Als Landesmedienanstalt stellt sich für uns natürlich auch die Frage, was wird gesetzlich geregelt, und welche Verantwortung bleibt bei der Familie übrig. Um zu beleuchten, welche Rolle Medien im Familienkontext spielen und, um den Blickwinkel der Kinder und Jugendlichen um die Familienperspektive zu erweitern, haben wir die FIM-Studie – Familie – Interaktion und Medien -auf den Weg gebracht. In der FIM-Studie haben wir viele Fragen den Kindern, Jugendlichen und Eltern gleich gestellt. So konnten wir sehen, wie bestimmte Sachverhalte in der Familie eingeschätzt, wie und wann welche Sachen gemeinsam genutzt werden, sowie welche Themen mit wem in der Familie besprochen wurden. Das hat für uns ein besseres Bild auf die Familie gegeben.

Wie stellen Sie sicher, dass die Eltern, aber vor allem die Kinder, wahrheitsgemäß antworten?

Dieses Problem besteht generell bei Befragungen. Fragen müssen so gestellt werden, dass sie nicht von vornherein in eine bestimmte Richtung weisen und die Befragten meinen, sie müssen bestimmte Antworten geben. Das kann man durch methodische Konzepte ein wenig eindämmen. Wir haben beispielsweise die Familienmitglieder separat befragt, die Eltern saßen also nicht am Tisch, während wir die Kinder oder Jugendlichen über ihre Internutzung befragt haben.  An der hohen Übereinstimmung bei vielen unkritischen Fakten innerhalb der Familie - also beispielsweise Gerätebesitz – sehen wir, dass die Antworten doch relativ gut zusammenpassen. Das zeigt uns, dass diese Einzelbefragungen der methodisch richtige Weg waren.

Sind Sie überrascht worden von den Ergebnissen Ihrer Studie oder liegen die Ergebnisse im Trend der KIM- und JIM-Studie? 

Man sieht, wie die verschiedenen Medien in den verschiedenen Altersgruppen jeweils eine andere Rolle spielen. Überraschend war für mich, dass das Familienklima insgesamt sehr positiv dargestellt wird. Auch von Seiten der Jugendlichen, die gerne mal etwas rebellischer und mal dagegen sind, zeigt sich eine hohe Übereinstimmung auch bei bestimmten Einstellungsfragen, wie sie es in der Familie finden. Insgesamt haben wir doch ein positives Familiengefühl innerhalb der deutschen Familien gefunden. Überraschend fand ich, dass zwar die Jugendlichen und Erwachsenen sehr intensiv im Internet unterwegs sind, aber es weder als Gesprächsthema noch als gemeinsame Nutzung in der Familie eine ganz große Rolle spielt. Es wird relativ wenig über Netzinhalte gesprochen - ganz anders als beim Fernsehen - das viel häufiger Thema ist.

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21.06.2012
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Sascha Steuer
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Thomas Rathgeb: „Das Internet muss ein Thema in der Familie sein“
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Jugendmedienschutz, Gastbeitrag / Interview
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