Über diesen Artikel
Datum:
27.10.2010
Autor:
Redaktion
Aktionen:
Drucken
URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/skandal-im-bundeskriminalamt-nur-6-mitarbeiter-sind-fuers-loeschen-von-internetpornographie-zustaen.html
Title:
Skandal im Bundeskriminalamt: Nur 6 Mitarbeiter sind fürs Löschen von Internetpornographie zuständig
Kategorie:
Jugendmedienschutz
BKA Meckenheim     

Skandal im Bundeskriminalamt: Nur 6 Mitarbeiter sind fürs Löschen von Internetpornographie zuständig

BKA Meckenheim
BKA Meckenheim     
© Bundeskriminalamt

Während die öffentliche Debatte über Kinderpornographie im Internet immer wieder hohe Wellen schlägt, ist die Bundesregierung auch nach einem Jahr noch uneinig ob nun das Löschen oder das Sperren von gefährlichen Internetseiten der Königsweg ist. Nachdem der BKA-Chef Ziercke nicht müde wird, vehement für ein neues Sperrgesetz zu streiten, kam nun heraus, dass in seiner Behörde nur sechs Mitarbeiter eingesetzt sind, um den vorläufigen Schwerpunkt des Löschens zu verfolgen. Das irritierte auch die Bundesjustizministerin, die noch vor kurzem von 30 Mitarbeitern ausgegangen war: “Wer nur sechs Personen für den Schwerpunktbereich ‘Löschen statt Sperren’ einsetzt, darf sich nicht über schlechte Löschergebnisse wundern”, sagt sie SPIEGEL ONLINE. Tatsächlich waren von den 1407 Seiten, die das BKA zur Löschung an andere Staaten gemeldet hatte, 44% noch nach einer Woche online.

Nach der Suspendierung des Sperrgesetzes, sollten in der schwarz-gelben Bundesregierung zunächst Erkenntnisse über das Löschen gesammelt werden. Während das BKA nun Zahlen veröffentlichte, nach denen rund 44% der pornographischen Seiten auch eine Woche nach Meldung an das jeweilig zuständige Land noch online seien, erklärte der Verband der deutschen Internetwirtschaft eco, dass er innerhalb einer Woche 98 Prozent der kinderpornografischen Seiten löschen könne, indem er direkt an die Hosting-Unternehmen herantrete. In Deutschland sei das Löschen gar in der Regel innerhalb eines Werktages möglich.


 Nun beschäftigte sich der Bundestag erneut mit dem Thema. In einer Anhörung des Unterausschusses Neue Medien am Montag, dem 25. Oktober 2010, standen den Fachpolitikern acht Experten Rede und Antwort. Ziercke betonte, es habe zwar durchaus intensive Gespräche mit den Partnern in anderen Staaten gegeben, jedoch seien besonders in den USA die Reaktionen, beispielsweise im Justizministerium, "recht zurückhaltend". Ein Grund dafür könnte sein, dass eine bilaterale Zusammenarbeit beim Löschen der Seiten die amerikanische Strafverfolgung stören würde, weil die dortige Strategie eine ganz andere sei, vermutete Ziercke. Die meisten jugendgefährdenden Seiten kommen aus dem Ausland, allein etwa 50% aus den USA, gefolgt von Russland und einigen europäischen Staaten. Mit den meisten Staaten gibt es eine institutionelle Zusammenarbeit.

Angesichts von geschätzten 13 Millionen kinderpornographischen Seiten sind die 792 auf Initiative des BKA gelöschten Seiten freilich eine sehr geringe Anzahl. Auf der anderen Seite ist Kinderpornographie im Internet aber auch nicht leicht auffindbar. Es wird davon ausgegangen, dass die meisten Bilder direkt zwischen den Personen getauscht oder in Foren eingestellt und nicht im Internet für alle sichtbar online gestellt werden.

Über diesen Artikel
Datum:
27.10.2010
Autor:
Redaktion
Aktionen:
Drucken
URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/skandal-im-bundeskriminalamt-nur-6-mitarbeiter-sind-fuers-loeschen-von-internetpornographie-zustaen.html
Title:
Skandal im Bundeskriminalamt: Nur 6 Mitarbeiter sind fürs Löschen von Internetpornographie zuständig
Kategorie:
Jugendmedienschutz
BKA Meckenheim     
Diesen Artikel teilen
Anzeige
Anzeige
Anzeige