Über diesen Artikel
Datum:
18.08.2010
Autor:
Redaktion
Aktionen:
Drucken
URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/sexualerziehung-durch-das-internet-schule-und-elternhaus-treten-immer-mehr-in-den-hintergrund.html
Title:
Sexualerziehung durch das Internet – Schule und Elternhaus treten immer mehr in den Hintergrund
Kategorie:
Jugendmedienschutz
gastautoren stift

Sexualerziehung durch das Internet – Schule und Elternhaus treten immer mehr in den Hintergrund

Buecher sexualitaet
© Sascha Steuer, DIGITAL LERNEN

Immer mehr Kinder und Jugendliche informieren sich im Internet über die Themen Körper, Liebe und Sex. In China sind es bereits ein Drittel der Kinder und Jugendlichen, wie eine neue Studie herausgefunden hat. Auch in Deutschland wurde auf den zunehmenden Aufklärungsbedarf reagiert. So gibt es hier eigens für Kinder und Jugendliche angelegte Aufklärungsseiten, die auf den Bildungsservern zu finden sind, wie beispielsweise loveline.de, konzipiert von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Auch in der Schule wurde gehandelt und in den meisten Bundesländern sind alle Themen rund um das Thema Sexualität bereits in der Grundschule fester Unterrichtsbestandteil. Sexualkunde steht hierzulande schon ab der ersten Klasse im Rahmenlehrplan, die praktische Umsetzung sieht allerdings sehr unterschiedlich aus.

In Nordrhein-Westfalen gibt es nun eine Art Gegenbewegung. Wenige Tage vor der NRW-Wahl hatte die „Initiative Familienschutz“ auf AbgeordnetenCheck.de die Aktion „Stoppt Sexualkunde-Zwang für Grundschüler in NRW!“ gestartet. Angeblich hätten 9-Jährige Grundschuler die Benutzung von Kondomen „üben“ müssen. Die Initiative findet viel Unterstützung von katholischen Online-Medien. Seit langem versuchen religiöse Eltern ihre Kinder vom Sexualkundeunterricht abzumelden, jedoch ohne Erfolg. 2009 beschloss das Bundesverfassungsgericht, dass es eine Befreiung vom Sexualkundeunterricht aus religiösen Gründen nicht geben darf. Damit wies das Gericht eine Verfassungsbeschwerde der baptistischen Eltern zweier Grundschüler aus Ostwestfalen ab.

Welche Gefahr die Eltern durch einen frühen und umfassenden Sexualkundeunterricht sehen, ist nur zu erahnen. In jedem Fall scheint die frühe Sexualerziehung keine negativen Auswirkungen auf das tatsächliche Sexualverhalten zu haben. Die Teeangerschwangerschaften in Deutschland sind in den letzten Jahren stark rückläufig, nachdem sie bis 2001 leicht zugenommen hatten.

Aber davon abgesehen sind sich Wissenschaftler darin einig, dass übermäßiger Pornokonsum im Internet zu einer Veränderung der sexuellen Vorstellungen. „Pornos sind normal und Bestandteil des alltäglichen Medienkonsums männlicher Jugendlicher“, ist das wichtigste Ergebnis der Studie „Porno im Web 2.0“ der niedersächsischen Landesmedienanstalt. Infolge des Pornokonsums vertreten Jugendliche beider Geschlechter zunehmend ein stereotypes Geschlechterrollenmodell, das ihrerseits biologistisch begründet wird: „Jungs haben Triebe, Mädchen haben keine.“ Prof. Dr. Grimm weist darauf hin, dass ein häufiger, regelmäßiger Konsum von Internetpornografie die Vorstellung der Jugendlichen davon, welches sexuelle Verhalten als normal gilt, prägen kann. Währen die Jungen sich vor allem einem Leistungsdruck ausgesetzt sehen und dem Ideal des „Coolen Checkers“ entsprechen wollen, sind die Mädchen angeekelt und lehnen die Frauen in den Videos als „Schlampen“ ab. Auch dieser Pornokonsum sollte im Elternhaus und Schule angesprochen werden, damit dem stereotypen Geschlechterrollenmodell entgegengesteuert werden kann.

Über diesen Artikel
Datum:
18.08.2010
Autor:
Redaktion
Aktionen:
Drucken
URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/sexualerziehung-durch-das-internet-schule-und-elternhaus-treten-immer-mehr-in-den-hintergrund.html
Title:
Sexualerziehung durch das Internet – Schule und Elternhaus treten immer mehr in den Hintergrund
Kategorie:
Jugendmedienschutz
gastautoren stift
Diesen Artikel teilen