Über diesen Artikel
Datum:
01.04.2012
Autor:
Sascha Steuer
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/schule-muss-kinder-vor-pornografie-schuetzenvizechefin-des-bundeselternrats-ursula-walther.html
Title:
Ursula Walther: "Schulen müssen Kinder vor Pornografie schützen"
Kategorie:
Jugendmedienschutz, Gastbeitrag / Interview
gastautoren stift

Ursula Walther: "Schulen müssen Kinder vor Pornografie schützen"

Laut der FIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest sind nur 13 Prozent der Eltern gemeinsam mit ihren Kindern im Internet. Gleichzeit haben mittlerweile 23 Prozent der Zwölfjährigen einen eigenen Computer im Kinderzimmer. Die Gefahr auf gefährliche Internetinhalte zu stoßen oder Opfer von Mobbing und Datenklau zu werden ist groß. DIGITAL LERNEN sprach mit der stellvertretenden Vorsitzenden des Bundeselternrats, Ursula Walther, über die Verantwortung von Eltern und Schulen im digitalen Zeitalter.

DIGITAL LERNEN: Wie kann man mehr Eltern motivieren gemeinsam mit ihren Kindern ins Internet zu gehen?

Ursula Walther: Da müsste man zuerst die Kinder motivieren, dass sie ihren Eltern den Blick über die Schulter erlauben. Also meine Kinder hätten sich dagegen strikt gewehrt, dass ich ihnen über die Schulter schaue. Eltern sollten besser grundsätzlich über das Internet und die Gefahren reden.

Müssen die Schulen auch über Datenschutz im Internet aufklären und den Schülern beibringen nicht zu viel von sich im Internet preisgeben?

Das muss unbedingt thematisiert werden, beispielsweise durch den Medienführerschein. Genauso wichtig ist es aber auch, dass das in jedem Unterrichtsfach mit einfließt und den Kindern Medienkompetenz anhand konkreter Aufgaben vermittelt wird. Ich bin für den Medienführerschein und die Medienkompetenzvermittlung in jedem Unterrichtsfach.

Warum geben sich Eltern und Lehrer oft gegenseitig die Verantwortung für die Medienkompetenzvermittlung?

Der Zwang zusammenzuarbeiten hat stark zugenommen. Es ist dringender denn je nötig, dass Elternhaus und Schule bei der Medienkompetenzvermittlung zusammenarbeiten.

Viele Eltern setzen Jugendschutzfilter ein, um ihre Kinder im Internet beispielsweise vor Pornographie zu schützen. Wissen Sie, ob die Schule Ihrer Kinder einen Filter installiert hat?

Nein, das weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass die Kinder ständig damit beschäftigt sind, das System zum Absturz zu bringen.

Ist es Ihnen also egal, ob die Kinder in Schulen auf Pornoseiten surfen können?

Nein, darum muss sich der Staat schon kümmern, so wie man in der Schule auch sonst keine schädlichen Einflüsse erwartet. Wie weit das durchsetzbar ist, wäre die andere Frage. Aber grundsätzlich muss die Schule versuchen, die Kinder vor schädlichen Einflüssen wie Pornografie zu schützen.

Wie könnten denn Lehrer Ihrer Auffassung nach motiviert werden, mehr digitale Medien einzusetzen?

Heute gibt es häufig an den Schulen nur ein oder zwei Freaks, die sich um die Technik kümmern. Die Situation wird erst besser, wenn die neue Generation, die mit diesen Medien aufgewachsen ist, im Lehrerberuf angekommen ist.

Reichen freiwillige Lehrerfortbildungen aus oder nehmen dann gerade ältere Lehrer nicht daran teil?

Das wird so sein, aber es nützt nichts die Lehrer zu verpflichten. Denn was die Lehrer nicht wollen, werden sie im Unterricht auch nicht einsetzen. Dadurch wird der Unterricht nicht besser.

In Deutschland müssen sich mehr Schüler einen Computer teilen als in vielen anderen OECD-Staaten, ist das aus Ihrer Sicht ein Problem?

Ja, das ist nicht in Ordnung. Wir müssen uns auf den aktuellen Stand bringen und mehr Computer für  die Schulen beschaffen. Oft fehlt es am Bewusstsein der Sachaufwandsträger, dass digitale Medien wichtig sind. Auch in den Lehrerkollegien ist die Begeisterung für digitale Medien nicht so groß.

Sollten wir zu einer Mischfinanzierung von Staat und Eltern kommen, die es möglich macht, für jeden Schüler ein mobiles Endgerät zu beschaffen?

Das kann nur bei Familien funktionieren, die sich das leisten können.

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01.04.2012
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Sascha Steuer
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Ursula Walther: "Schulen müssen Kinder vor Pornografie schützen"
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Jugendmedienschutz, Gastbeitrag / Interview
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