Über diesen Artikel
Datum:
04.06.2010
Autor:
Redaktion
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/polizei-kontrolliert-den-jugendschutz-an-schulcomputern.html
Title:
Polizei kontrolliert den Jugendschutz an Schulcomputern
Kategorie:
Jugendmedienschutz
gastautoren stift

Polizei kontrolliert den Jugendschutz an Schulcomputern

Sie kamen ohne Anmeldung, in einer gut vorbereiteten Aktion kontrollierten Polizei und Jugendamt alle Bayreuther Schulen auf einen wirksamen Kinder- und Jugendschutz. Das Ergebnis war niederschmetternd, nur rund 50% der Schulen hatten einen wirksamen Filter, an der anderen Hälfte der Schulen waren meist Billigfilter installiert, die lediglich eine starre Liste altbekannter Seiten blockieren und damit weitgehend unwirksam sind. Häufig würde Squidguard eingesetzt, sagt die Polizei, dabei zeigte bereits 2005 ein Vergleich der Stadt Wiesbaden die schlechte Leistung von Squidguard. Das Medienzentrum Wiesbaden überprüfte insgesamt 329 ausgewählte Seiten der Hauptkategorien „politischer Extremismus“, „Pornografie“ und „Gewalt“. Verglichen wurde die Blacklist von Squidguard mit dem intelligenten Filter von TIME for kids. Das Ergebnis: Mit dem Schulfilter plus werden über 95% gefährlicher Inhalte geblockt, bei Squidguard ist es in einigen Kategorien gerademal die Hälfte.
 
 Die Bayreuther Polizeihauptmeisterin Katrin Schamel wundert sich über die Ahnungslosigkeit vieler Schulen. Seit vier Jahren bietet sie bereits Informationen zur Prävention in den Schulen an, eigentlich müssten alle über die Gefahren Bescheid wissen, findet sie. Die Polizei habe daher kein Verständnis mehr für Schulen, die ihre Schüler nicht vor Gefahren wie beispielsweise Pornografie schützen. „Was viele Schulen da machen, ist gesetzeswidrig“, sagt Katrin Schamel.
 
 Erfreulich finden Polizei und Jugendamt in Bayreuth die Tatsache, dass immerhin 50% der Schulen bereits einen wirksamen Filter einsetzen. Die meisten von ihnen verwenden das von der bayerischen Staatsregierung empfohlene Programm der TIME for kids Foundation. Insgesamt setzen in Bayern 1500 von 5500 Schulen den wirksamen Filter bereits ein. Die anderen werden sich nun Gedanken machen müssen, denn die Polizei wird vermutlich wiederkommen.

Tatsächlich ist das Zugänglichmachen von Pornografie eine Straftat. Nach dem Strafgesetzbuch wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe sanktioniert, wer pornografische Darstellungen Personen unter 18 Jahren anbietet oder zugänglich macht. Die Strafbarkeit entfällt im Internet nur dann, wenn durch eine Zugangssperre sichergestellt ist, dass die Angebote für Minderjährige unzugänglich sind. Diese Zugangssperre muss aber auch funktionieren.

Dass ein Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz unangenehm werden kann, spürten Ende 2009 Internetanbieter. Im Oktober 2009 hatte das Bundesverfassungsgericht eine Klage zurückgewiesen, mit der Anbieter von unwirksamen Internetfiltern gegen ihre Verurteilung vorgegangen waren. Das System war nach Ansicht der Gerichte untauglich, um Jugendliche wirksam fernzuhalten. Deshalb wurden sowohl der Vertreiber des Systems als auch ein Anbieter von Pornoseiten, wettbewerbsrechtlich beziehungsweise auch strafrechtlich verurteilt.

Die Bayreuther Polizeikontrolle ist in Deutschland noch die Ausnahme, angesichts der öffentlichen Debatten ist es aber nur eine Frage der Zeit bis sich immer mehr Jugendschutzbeauftragten der Polizei mit dem Thema befassen werden. 

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04.06.2010
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