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Datum:
23.07.2012
Autor:
Thorsten Greb
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/online-studie-cyberbullying-ist-keine-lapallie-sondern-ein-ernsthaftes-problem.html
Title:
Online-Studie: "Cyberbullying ist keine Lappalie, sondern ein ernsthaftes Problem."
Kategorie:
Jugendmedienschutz
gastautoren stift

Online-Studie: "Cyberbullying ist keine Lappalie, sondern ein ernsthaftes Problem."

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© S. Hofschlaeger, pixelio.de

14 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler waren schon einmal Opfer von Cyberbullying und 13 Prozent sind bereits als Cyberbullying-Täter in Erscheinung getreten, das ergab eine Online-Studie des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld. Darin kommen die Bielefelder Konfliktforscher zu dem Ergebnis, dass mit dem Cyberbullying „erhebliche Belastungen“ für die Betroffenen einhergehen können. Außerdem hätten Schülerinnen und Schüler, die Erfahrungen mit Cyberbullying als Opfer oder Täter gemacht haben, häufiger von Suizidgedanken berichtet, als Befragte ohne Cyberbullying-Erfahrungen. Eine direkte Korrelation zwischen Cyberbullying und Suizidalität wollten die Konfliktforscher wegen des gewählten Forschungsdesigns der Studie jedoch nicht daraus ableiten. Für die Forscher steht dennoch fest: „Cyberbullying keine Lappalie ist, sondern ein ernsthaftes Problem.“

Die Studie gibt dem Leser einen fundierten Überblick zur Problematik des Cyberbullyings, welches in dieser Studie definiert wird als: „kommunikatives oder symbolisches Handeln von Individuen  oder Gruppen im Cyberspace, das auf die physische, psychische, emotionale oder soziale Schädigung oder Verletzung anderer abzielt.“  Kennzeichnend für Cyberbullying sei außerdem die rollen- und kräftemäßige Asymmetrie zwischen Täter und Opfer sowie die „Intentionalität“ und „Wiederholung des schädigenden Handelns“. Die Studie stuft als Opfer oder Täter ein, wer in dem Befragungszeitraum mindestens zwei Mal im Monat Erfahrungen als Opfer oder Täter gemacht hat.

Laut Studie sind die häufigsten Formen des Cyberbullyings aus Sicht der Opfer Belästigung,  Rufschädigung, Cyberstalking und sexuelle Belästigung. Es gibt aber durchaus geschlechtsspezifische Unterschiede, sagen die Forscher. So seien Schüler häufiger von Beleidigungen, Beschimpfungen, Drohungen, Spott und dem sogenannten Happy Slapping betroffen, während Schülerinnen häufiger angegeben haben, dass „Gerüchte über sie verbreitet wurden, jemand ihnen hinterherspioniert hat oder jemand gegen ihren Willen mit ihnen über Sex reden wollte.“

Variationen beobachteten die Forscher auch hinsichtlich der Auswirkungen auf die Betroffenen. Demnach belasten einige Formen des Cyberbullyings die Schülerinnen und Schüler stärker als andere. Das  Bloßstellen durch die Weitergabe von privaten Fotos und Videos wurde von „etwa der Hälfte der Opfer als stark oder sehr stark belastend empfunden“. Spott, Beleidigungen und Beschimpfungen empfanden laut Studie nur etwa ein Viertel der betroffenen Schülerinnen und Schüler als stark oder sehr stark belastend. Die Forscher erklären sich dies vor allem dadurch, dass die Weitergabe von Fotos und Videos im Internet für die Opfer als wenig kontrollierbar empfunden wird.  Von den Schülerinnen und Schülern, die Erfahrungen als Cyberbullying-Opfer gemacht haben, gab insgesamt ein Viertel an, dass sie dies als stark bis sehr stark belastend empfanden. Für mehr als zwei Fünftel war diese Erfahrung als Cyberbullying-Opfer wenig bis gar nicht belastend, so die Studie weiter.

Was sind die Ursachen für Cyberbullying und was kann dagegen unternommen werden? Mehr als die Hälfte der Täter gab an, von ihren Opfern „genervt oder wütend auf das Opfer gewesen zu sein“. Hass und Rache als Motiv wurden laut Studie von zwei Fünftel der Täter angegeben. Für ein Viertel war das Motiv „Vergnügen, Neugier oder Langeweile“. Begegnen könne man dem Problem des Cyberbullyings vor allem durch eine Schulung der ethisch-reflexiven Medienkompetenz, die sowohl bei den Opfern, als auch bei den Tätern vergleichsweise schwach ausgeprägt sei. „Dieser Befund deutet darauf hin, dass insbesondere die Förderung der ethisch-reflexiven Nutzungskompetenz die Wahrscheinlichkeit, Opfer oder Täter von Cyberbullying zu werden, vermindern kann“, folgern die Bielefelder Konfliktforscher.

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23.07.2012
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Thorsten Greb
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Jugendmedienschutz
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