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Datum:
30.04.2011
Autor:
Redaktion
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/macht-das-internet-dumm-ein-zusammenhang-zwischen-mediennutzung-und-schulbildung.html
Title:
Macht das Internet dumm? Ein Zusammenhang zwischen Mediennutzung und Schulbildung
Kategorie:
Jugendmedienschutz
gastautoren stift

Macht das Internet dumm? Ein Zusammenhang zwischen Mediennutzung und Schulbildung

Inhaltliche Verteilung der Internetnutzung
© SaschaSteuer, mpfs

Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Zeit die ein Schüler täglich im Internet verbringt und seiner Schulkarriere. Viele leiten daraus ab, das Internet mache dumm, aber ist diese Schlussfolgerung zulässig? Zunächst scheint es logisch: Wer den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzt, kann in dieser Zeit auch nichts lernen. Wer im Internet von einer Seite zur nächsten weiterklickt, wird allerlei Ablenkung finden, aber nichts was ihn weiterbringt. Doch macht das einen Menschen dümmer als er zuvor schon war?

Prominenter Kritiker des hohen Medienkonsums von Kindern und Jugendlichen ist Manfred Spitzer, Leiter der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm. Seine These lautet auf den Punkt gebracht: Umso mehr ein Kind Fernsehen schaut und den Computer nutzt, desto gewalttätiger und dümmer wird es. Die These ist eingängig und wird meist unterhaltsam vorgetragen. Doch wie valide ist sie? Spitzer unterscheidet dabei nicht zwischen passivem Fernsehen und aktiven Nutzen eines PCs, eine umstrittene Gleichsetzung. Schließlich kann das Internet sehr gezielt zur Recherche verwendet und interaktiv statt passiv genutzt werden. Die jüngste JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest versucht zumindest einige Zusammenhänge zwischen Internetnutzung und Schullaufbahn zu erhellen.

Während es vor 10 Jahren noch gravierende Unterschiede bei der Verbreitung des Internets gab und wesentlich weniger Hauptschüler einen Internetzugang hatten, sind mittlerweile 98 Prozent der Haushalte in Deutschland mit einem Computer und Zugang ausgestattet. Gymnasiasten nutzen das Internet zwar etwas weniger als Haupt- und Realschüler, allerdings ist der Unterschied von 163 zu 121 Minuten nicht so immens, dass damit völlig unterschiedliche Bildungskarrieren zu erklären wären. Auch variiert die Art der Nutzung kaum. Während Gymnasiasten das Internet zu 17 Prozent zur Informationssuche und zu 44 Prozent zur Kommunikation nutzen, sind es bei den Hauptschülern 11 und 47 Prozent. Die Ergebnisse der JIM-Studie zeigen, dass Gymnasiasten das Internet zwar graduell anders nutzen, sie betreiben mehr Recherche und sind kritischer, diese graduellen Unterschiede dürften aber kaum ursächlich für den Schulerfolg sein.

Fast die Hälfte der Zeit sind Jugendliche im Internet in Chats und sozialen Netzwerken unterwegs und schreiben Messages und Emails. Machen die Gymnasiasten hier etwas anders als die Hauptschüler? Es gibt bisher keine Studien zum Chatverhalten, aber schaut man sich die jüngsten Vorfälle rund um das Schmähportal isharegossip an, ist das überraschende Phänomen zu beobachten, dass eher Gymnasiasten ihre Mitschüler anonym beleidigen als Hauptschüler dies tun.

Es zeigt sich, dass die These, das Internet mache per se dumm, kaum aufrecht zu erhalten ist. Es kommt mindestens auf die Art der Nutzung an. Doch auch dann stellt die die Frage: „Was war zuerst?“

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30.04.2011
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