Über diesen Artikel
Datum:
16.05.2012
Autor:
Sascha Steuer
Aktionen:
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/kritik-an-der-schulinitiative-von-facebook.html
Title:
Kritik an der Schulinitiative von Facebook
Kategorie:
Jugendmedienschutz
Kultusministerien Baden-Württemberg, Gabriele Warminski-Leitheußer

Kritik an der Schulinitiative von Facebook

Kultusministerien Baden-Württemberg, Gabriele Warminski-Leitheußer

Kultusministerien Baden-Württemberg, Gabriele Warminski-Leitheußer

900 Millionen Nutzer hat das Soziale Netzwerk Facebook derzeit, darunter rund 23 Millionen Deutsche. Beinahe wöchentlich meldet Facebook neue Funktionen. Nun drängt das Soziale Netzwerk auch in die Schulen. In geschlossenen Benutzergruppen sollen Schüler Dokumente, Aufgaben und Texte online tauschen können. „Das Angebot von Facebook ist frech“, sagt der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert gegenüber DIGITAL LERNEN, „zumal das Unternehmen weiß, dass zumindest in Europa dem der Datenschutz entgegen steht“. Vor einem Einsatz Sozialer Netzwerke in der Schule müssten die Tools gecheckt werden, fordert Weichert und schiebt hinterher: „Bei diesem Check würde "Groups for Schools" durchfallen“.

„Group for Schools“ zum Dokumentenaustausch zwischen Schülern? Was sich im ersten Moment als gute, kostenlose Alternative zu einer Lernplattform anhört, ist in Wirklichkeit eine große Gefahr. In der Praxis würde die Nutzung von Facebook in der Schule bedeuten, dass ein Lehrer zunächst alle Schüler verpflichten müsste, sich ein Facebook-Profil zuzulegen, um überhaupt Mitglied der Benutzergruppe werden zu können.

Die baden-württembergische Kultusministerin  Warminski-Leitheußer kritisiert den Vorstoß von Facebook: „Selbstverständlich kann keine Schule Nutzerprofile für Schüler in einem sozialen Netzwerk anlegen oder Schülerinnen und Schüler dazu zwingen, bei einem privaten Online-Portal ein Profil anzulegen. Da sich private Online-Portale, wie zum Beispiel Facebook, finanzieren, indem sie die Daten der Kunden sammeln und verkaufen, überschreiten sie mit ihrem Ansinnen die bisher gehaltene Regelung in der Verwaltungsvorschrift des Kultusministeriums über Werbung, Wettbewerbe und Erhebungen in Schulen.“ Warminski-Leitheußer weist auf den Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schulen hin: „Die Eltern, die ihre Kinder in die Obhut der Schule geben, müssen darauf vertrauen können, dass der Rahmen des Erziehungs- und Bildungsauftrages der Schule eingehalten und alles von der Schule fern gehalten wird, was die Verwirklichung dieses Zieles beeinträchtigen könnte. Der Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule verbietet es demnach, dass in den Schulen insbesondere Werbung für wirtschaftliche, politische, weltanschauliche oder sonstige Interessen betrieben wird oder Erhebungen durchgeführt werden. Das Kultusministerium lehnt aus den bereits erwähnten Gründen und insbesondere aus datenschutzrechtlichen Aspekten eine Nutzung von privaten Online-Portalen, wie zum Beispiel Facebook, in der Schule ab. “

Die Kultusministerkonferenz hat bisher keinen Beschluss zum Thema Werbung an Schulen gefasst. Dies liegt, laut Auskunft eines Sprechers der KMK, an der Zuständigkeit der Länder beim Thema Werbung an Schulen. Doch auch vom amtierenden KMK-Präsidenten, dem Hamburger Bildungssenator Ties Rabe, war trotz mehrfacher Nachfrage keine Stellungnahme zu erhalten.

Thilo Weichert warnt immer wieder vor der Nutzung von Facebook durch die Schulen. Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz hatte das schleswig-holsteinische Bildungsministerium daher aufgefordert, darauf hinzuwirken, dass die Facebook-Fanpages von Schulen beendet werden. Nach Aussage von Thilo Weichert sind die Gründe vielfältig: „Neben dem Umstand, dass die Schulleitung de facto keine Kontrolle über die so ausgelöste Datenverarbeitung hat, betrachte ich es für keine Ertüchtigung der  Kinder zur Medienkompetenz, wenn eine Schule ein offensichtlich datenschutzwidriges Werkzeug nutzt.“

Die Datenschutzbeauftragten werfen Facebook vor, gegen deutsches Datenschutzrecht zu verstoßen. Es ist für Nutzer beispielsweise nicht möglich das eigene Facebookprofil mit samt den Daten zu löschen. Profile können lediglich deaktiviert werden, die Daten bleiben aber erhalten und die weitere Verwendung durch Facebook unklar.

Neben dem Datenschutz wird auch das gezielte Adressieren von Schülern durch Werbung kritisiert.

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16.05.2012
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Sascha Steuer
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