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Datum:
27.09.2010
Autor:
Redaktion
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/kinder-missbrauchen-kinder-welche-rolle-spielt-das-internet.html
Title:
Kinder missbrauchen Kinder – Welche Rolle spielt das Internet?
Kategorie:
Jugendmedienschutz
gastautoren stift

Kinder missbrauchen Kinder – Welche Rolle spielt das Internet?

Elfjährige fangen mit Spielen wie Flaschendrehen an und enden bei Vergewaltigungen Gleichaltriger. Immer wieder hören wir in den letzten Monaten von sexuellen Übergriffen von Kindern auf Kinder, jüngst im DAK-Heim auf Sylt. Die Vorgänge sind meist unfassbar und wären bei entsprechender Reife auch strafbar. Was bringt unsere Kinder zu diesen Handlungen? „Der zu frühe Zugang zur Pornografie macht Welten offen, die von Kindern nicht verarbeitet werden können. Die dort dargestellten Konzepte erwachsener Sexualität führen bei Kindern und Jugendlichen zumindest zu einer nachhaltigen Verwirrung in ihrer Sexualentwicklung“, sagt der Bielefelder Sexualtherapeut Johannes Eilinghoff der Neuen Wesfälischen Zeitung. Er fordert die erwachsenen Nutzer von Pornografie auf, diese Bilder „unter keinen Umständen Kindern zugänglich zu machen“.

Der Direktor des Instituts für Sexualwissenschaft an der Berliner Charité, Professor Klaus Beier, erklärte dazu in der FAZ: „Missbrauchsabbildungen sind immer einfacher zu erreichen, senken die kritische Selbstwahrnehmung der Nutzer und damit vermutlich auch die Schwelle zur direkten Tat. Studien zeigen, dass Jugendliche schon sehr früh Erstkontakt mit Pornographie im Netz haben. Wenn sich die Präferenzstruktur in der frühen Jugend manifestiert, hinterlassen solche Bilder Spuren. In der klinischen Arbeit berichten uns schon Zwölf- bis Dreizehnjährige, dass in ihren Masturbationsphantasien Bilder auftauchen, die sie zuvor im Internet gesehen haben. Das ist ein großer unethischer Menschenversuch, und mir ist völlig rätselhaft, warum der so ungehindert ablaufen kann.“

Die Thesen werden gestützt durch die Untersuchung „Porno im Web 2.0“ der niedersächsischen Landesmedienanstalt. Danach vertreten Jugendliche beider Geschlechter infolge des Pornokonsums ein stereotypes Geschlechterrollenmodell, das ihrerseits biologistisch begründet wird: „Jungs haben Triebe, Mädchen haben keine.“ Die Initiatorin der Studie, Prof. Dr. Petra Grimm, weist darauf hin, dass ein häufiger, regelmäßiger Konsum von Internetpornografie die Vorstellung der Jugendlichen davon, welches sexuelle Verhalten als normal gilt, prägen kann. Währen die Jungen sich vor allem einem Leistungsdruck ausgesetzt sehen und dem Ideal des „Coolen Checkers“ entsprechen wollen, sind die Mädchen angeekelt und lehnen die Frauen in den Videos als „Schlampen“ ab. Der Pornokonsum wirkt damit unterschiedlich auf Jungen und Mädchen. Angesichts der regelmäßigen Konfrontation und der Wirkung der Pornografie bei Jugendlichen, kann eine Behandlung des Themas in der Schule nicht ausbleiben.

Gleichzeitig sollte es aber auch darum gehen, die gefährlichen Inhalte wenigstens aus der Schule herauszuhalten und einen wirksamen Filter einzusetzen. Polizei und Jugendamt kontrollierten jüngst alle Bayreuther Schulen auf einen wirksamen Kinder- und Jugendschutz. Das Ergebnis war niederschmetternd, nur rund 50% der Schulen hatten einen wirksamen Filter, an der anderen Hälfte der Schulen waren meist Billigfilter installiert, die lediglich eine starre Liste altbekannter Seiten blockieren und damit weitgehend unwirksam sind. Häufig würde Squidguard eingesetzt, sagt die Polizei, dabei zeigte bereits 2005 ein Vergleich der Stadt Wiesbaden die schlechte Leistung von Squidguard. Das Medienzentrum Wiesbaden überprüfte insgesamt 329 ausgewählte Seiten der Hauptkategorien „politischer Extremismus“, „Pornografie“ und „Gewalt“. Verglichen wurde die Blacklist von Squidguard mit dem intelligenten Filter von TIME for kids. Das Ergebnis: Mit dem Schulfilter plus werden über 95% gefährlicher Inhalte geblockt, bei Squidguard ist es in einigen Kategorien gerademal die Hälfte. Die Bayreuther Polizeihauptmeisterin Katrin Schamel wundert sich über die Ahnungslosigkeit vieler Schulen.

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