Über diesen Artikel
Datum:
03.06.2010
Autor:
Sascha Steuer
Aktionen:
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/jugendschutznet-wurstelt-sich-weiter-durchs-internet.html
Title:
Jugendschutz.net wurstelt sich weiter durchs Internet
Kategorie:
Jugendmedienschutz
gastautoren stift

Jugendschutz.net wurstelt sich weiter durchs Internet

Fast anachronistisch wirkt mittlerweile die Arbeit der 1997 ins Leben gerufenen halboffiziellen „Stelle“ jugendschutz.net, mit der die Einhaltung des Jugendschutzes im Internet kontrolliert werden soll. Die GmbH brachte es im Jahr 2009 auf eine Prüfung von 19.000 Seiten. Bei 2.400 Seiten wären Verstöße gegen den Jugendschutz festgestellt worden, bei etwa 1.800 Seiten konnte eine Löschung erreicht werden.

Die Anzahl der neuen Internetseiten steigt jährlich um über 30%, allein die Anzahl der in Deutschland registrierten Domains lag laut denic Ende April 2010 bei über 13 Millionen und die .com Domains bei 87 Millionen. Unter den Domains versammeln sich hunderte von Seiten, es kann weltweit von etwa 8 Milliarden Internetseiten ausgegangen werden. Allein im Bereich Pornografie gibt es etwa 560 Millionen jugendgefährdende Internetseiten, davon wiederum etwa 13 Millionen Internetseiten mit kinderpornografischen Inhalten. Für die etwa 20 Mitarbeiter von jugendschutz.net ist die Prüfung der 19.000 Seiten eine schreckliche Fleißaufgabe. Angesichts von zig Millionen neuen Internetseiten jährlich aber eine traurig geringe Zahl mit der kein effektiver Kinder- und Jugendschutz im Internet erreicht werden kann.

Es geht auch effektiver: Intelligente Filtersysteme analysieren täglich fünf Millionen neue Seiten und ordnen sie Kategorien zu. So können mit dem Stand der Technik heute über 95% pornografischer Inhalte gesperrt werden. Fünf Millionen täglich gegenüber 19.000 jährlich? Es bleibt das Geheimnis von jugendschutz.net wie angesichts dieser Zahlen im aktuellen Bericht das Urteil gefällt werden kann, Jugendschutzfilter hätten eine „unzureichende Wirksamkeit“.

Zur Wahrung des Jugendschutzes in den Telemedien nach dem Jugendmedienschutz–Staatsvertrag (JMStV) sowie zur Unterstützung der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) und der Obersten Landesjugendbehörden arbeitet jugendschutz.net in der Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH, also einer Firma, die wegen ihres gemeinnützigen Zweckes teilweise von der Zahlung von Steuern befreit wurde. Grundlage ist die Vereinbarung über die Wahrung des Jugendschutzes in Telemedien durch die länderübergreifende Stelle jugendschutz.net. Daraus geht auch hervor, dass jugendschutz.net staatliche Mittel in Höhe von rund 250.000 Euro erhält.

Über die Arbeit und Arbeitsauffassung von jugendschutz.net hatte 2007 bereits Alvar Freude vom AK Zensur geschrieben und sowohl auf die rechtlichen Bedenken gegenüber der Institutionalisierung einer gGmbH, als auch die Ineffektivität der Arbeit von jugendschutz.net hingewiesen. „Von Effektivität kann bei jugendschutz.net keine Rede sein“, brachte es Alvar Freude auf den Punkt. Verändert hat sich seitdem nichts, die Jahresberichte von jugendschutz.net erhalten nach wie vor mediale Aufmerksamkeit. Es besteht die Gefahr, dass sich die obersten Landesjugendbehörden und damit die Politik durch die Arbeit von jugendschutz.net etwas vormachen lassen und so einen effektiven Kinder- und Jugendmedienschutz verschlafen.

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03.06.2010
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Sascha Steuer
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Jugendschutz.net wurstelt sich weiter durchs Internet
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