Über diesen Artikel
Datum:
01.08.2011
Autor:
Sascha Steuer
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/google-verlangt-angabe-des-echten-namens-rueckschritt-oder-fortschritt.html
Title:
Google+ verlangt Angabe des echten Namens – Rückschritt oder Fortschritt?
Kategorie:
Jugendmedienschutz
gastautoren stift

Google+ verlangt Angabe des echten Namens – Rückschritt oder Fortschritt?

google plus
© Sascha Steuer, digital-lernen.de

Google+ löscht alle Accounts deren Name nicht dem echten Namen einer Person entspricht, in Zweifelsfällen kann eine Kopie des Personalausweises angefordert werden. Im Internet ist darüber ein heftiger Streit entbrannt, „Gutsherrenart“ sagen die einen, Etablierung einer „Internetgesellschaft“ die anderen. Ist es gut und richtig, dass Google+ von jedem Nutzer verlangt seinen echten Namen anzugeben oder ist es ein Rückschritt?

Für den Klarnamen spricht der Kern des Modells selbst: Mit Google+ sollen sich Menschen vernetzen und ihre echten Bekannten nun auch virtuell in verschiedene Kommunikationsgruppen einteilen, denen dann gezielt Informationen übermittelt werden können. Anders als bei Facebook, wo es nur eine einzige Art von Freunden gibt, soll so der Nutzer entscheiden können ob er bestimmte Informationen nur seinen guten Freunden oder auch seinen Arbeitskollegen zuteilwerden lassen will. Wie sollte man seine Bekannten und Freunde je finden, wenn diese anstatt Franz Müller plötzlich Glitzerschnecke68 hießen? Dagegen spricht, dass die Nutzer damit gegenüber der meistgenutzten Suchmaschine Google ihre wahre Identität preisgeben. Alle Informationen, Nachrichten, Fotos, Suchen können damit für immer einem bestimmten Menschen zugeordnet werden. Auch das Löschen eines Profils muss nicht zwangsläufig das Löschen der Daten zur Folge haben, Facebook speichert alle von einem Nutzer ins Netz gestellten Daten ab, auch wenn das Profil nicht mehr da ist.

Doch es geht nicht nur um die Nutzerrechte, es geht bei der Diskussion in erster Linie um die Kultur des Netzes. Die einen sehen mit der Klarnamenpflicht die Anonymität in Gefahr. Die anderen erhofften sich von der Klarnamenpflicht das Ende der Maskierung von Verbrechern und Radikalen. Doch ist dies wirklich eine Frage von Schwarz oder Weiß?

Ja, wir wollen weiter im Netz stöbern können wie in einer öffentlichen Bibliothek, im Supermarkt oder anonym etwas bestellen können wie das Bier in der Eckkneipe. Aber wir wollen auch denjenigen strafrechtlich verfolgen können, der uns fälschlich bezichtigt, beleidigt oder bedroht. Doch wie im physischen Leben bleibt dies auch im Internet nur ein frommer Wunsch. Klar, wer in Deutschland ein Buch publiziert, muss dafür im Sinne des Pressegesetzes verantwortlich zeichnen, genauso ist es bei jeder Internetseite, die ein Impressum verlangt. Doch wer einer Zeitung einen Leserbrief oder dem Nachbarn einen Schmähbrief schreibt, muss darunter genauso wenig seinen Klarnamen setzen wie ein Kommentator im Internet. Auf den Punkt gebracht: Weder im physischen Leben noch im Internet ist eine Klarnamenpflicht durchsetzbar. Aber ist das bereits die Antwort auf Google+?

Auch wenn das Verknüpfen des Klarnamens mit individuellen Googlesuchen heute weder geplant noch möglich sein mag, Facebook hat uns gezeigt wie ständig Datenschutzregeln verändert und immer mehr Informationen zusammengeführt werden können. Es ist das Geschäftsmodell von Google die Daten von Menschen zu sammeln, zu verknüpfen und dazu passgenaue Werbung zu schalten, bzw. die Daten an Werbeunternehmen weiter zu verkaufen. Wer verhindern will, dass Suchen zu Krankheiten, Sexpraktiken oder Urlaubszielen später direkt mit einem Namen verknüpft werden können und diese Daten für immer außerhalb des deutschen Rechtsraums verwendet werden können, sollte solange die Klarnamenpflicht besteht, darauf verzichten sich einen Google+-Account zuzulegen.

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01.08.2011
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Sascha Steuer
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Google+ verlangt Angabe des echten Namens – Rückschritt oder Fortschritt?
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