Über diesen Artikel
Datum:
24.08.2011
Autor:
Sascha Steuer
Aktionen:
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/gezahlt-wird-mit-den-daten-der-nutzenden-deutsche-behoerden-verabschieden-sich-aus-sozialen-n.html
Title:
„Gezahlt wird mit den Daten der Nutzenden“
Kategorie:
Jugendmedienschutz
Thilo Weichert     

„Gezahlt wird mit den Daten der Nutzenden“

Thilo Weichert
Thilo Weichert     
© Markus Hansen, ULD

Das schleswig-holsteinische Landeszentrum für Datenschutz fordert alle Behörden und Unternehmen auf, ihre Fanpages bei Facebook und Social-Plugins wie den „Gefällt mir“-Button auf ihren Webseiten zu entfernen. Bereits am 3. August hatte der Hamburgische Datenschutzbeauftragte, Prof. Dr. Johannes Caspar, Facebook aufgefordert, die über die Gesichtserkennung gespeicherten biometrischen Daten der Nutzer zu löschen. Nach dem anfänglichen Hype, dass jeder Mensch und jede Institution bei Facebook vertreten sein müsste, kehrt offenbar Ernüchterung ein. Der Schock vom 8. August, als Google einräumen musste, dass US-Behörden regelmäßig private Daten von Nutzern abrufen und auswerten, führt damit zu ersten Reaktionen.

Bisher erschienen die Debatten um den Datenschutz bei Facebook, Google & Co eher Geschmackssache zu sein, nun gibt es handfeste rechtliche Argumente. Nachdem der Hamburgische Datenschutzbeauftragte bereits die automatische Gesichtserkennung als einen schweren Eingriff in das informationelle Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen gewertet hatte, legt nun das schleswig-holsteinische Landeszentrum für Datenschutz nach und nennt den „Gefällt mir“-Button „nach eingehender technischer und rechtlicher Analyse“ einen „Verstoß gegen das Telemediengesetz und gegen das Bundesdatenschutzgesetz". Bei Nutzung der Facebook-Dienste erfolge eine Datenweitergabe von Verkehrs- und Inhaltsdaten in die USA und eine qualifizierte Rückmeldung an den Betreiber hinsichtlich der Nutzung des Angebots, die sog. Reichweitenanalyse.

Für den Leiter des Landeszentrums für Datenschutz, Thilo Weichert, sind viele Facebook-Angebote rechtswidrig. Hierzu gehört insbesondere die für Werbezwecke aussagekräftige Reichweitenanalyse: „Gezahlt wird mit den Daten der Nutzenden. Mit Hilfe dieser Daten hat Facebook inzwischen weltweit einen geschätzten Marktwert von über 50 Mrd. Dollar erreicht. Allen Stellen muss klar sein, dass sie ihre datenschutzrechtliche Verantwortlichkeit nicht auf das Unternehmen Facebook, das in Deutschland keinen Sitz hat, und auch nicht auf die Nutzerinnen und Nutzer abschieben können.“ Wer also weiterhin den Like-Button in seine Website einbaue, müsse mit erhblichen Strafzahlungen rechnen, wenn er angezeigt würde.

Doch auch Facebook reagiert auf die immer häufiger geführten öffentlichen Debatten um die Datensicherheit in Sozialen Netzwerken. So gab das Unternehmen bekannt, dass in Kürze die Nutzereinstellungen nicht mehr in den Tiefen von facebook gesucht werden müssen, sondern wesentlich leichter auffindbar sind. In der Zukunft soll es möglich sein, Posts von anderen, sowie Bildermarkierungen leichter zu entfernen. Auch die häufigste Anfrage will Facebook ändern, so sollen Nutzer erst gefragt werden ob ein Post oder Bild auf dem eigenen Profil veröffentlicht werden soll, bevor es zu sehen ist. Heute kann jeder ein Post auf das Profil eines anderen Nutzers stellen, ohne, dass dieser einverstanden sein muss.

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24.08.2011
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