Über diesen Artikel
Datum:
15.08.2012
Quelle:
Verbraucherzentrale Bundesverband
Aktionen:
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/facebooks-schulinitiative.html
Title:
Facebooks Schulinitiative
Kategorie:
Jugendmedienschutz

Facebooks Schulinitiative

facebook
© facebook Pressroom

Nach einer aktuellen Umfrage des Hightech-Verbandes BITKOM nutzen aktiv 45 Prozent der deutschen Internetnutzer Facebook. Auch immer mehr Schulen und Lehrer sind in dem Sozialen Netzwerk vertreten. Das hat Facebook selbst ebenso erkannt und sein Angebot um „Groups for Schools“ erweitert. Datenschützer warnen vor Facebooks Schulinitiative.

Mit der Einführung von Facebook-Gruppen für Schulen können beispielsweise Lehrer Gruppen für Klassen, Kurse, Clubs etc. einrichten. Hier können Dateien hochgeladen und ausgetauscht sowie Aufgaben verteilt werden. Und wie in jeder anderen Facebook-Gruppe auch, können die jeweiligen Gruppenmitglieder einfach miteinander kommunizieren.

Wird eine Facebook-Schulgruppe als Arbeitsplattform für Schulklassen durch einen Lehrer eingerichtet, müsste ein eigenes Facebook-Profil für alle Schüler verpflichtend werden. Einen solchen Zwang kann und darf natürlich kein Lehrer oder eine Schule den Schülern auferlegen.

Facebook ist kein Schulnetzwerk

Facebook ist kein Soziales Netzwerk, das frei von wirtschaftlichen Interessen ist. Im Gegenteil: Mit den Daten der Nutzer verdient Facebook sein Geld. Aufgrund der Vielzahl von Informationen, die Nutzer bei Facebook hinterlegen, lässt sich hier Werbung zielgerichteter schalten und ist daher besonders beliebt bei den Werbetreibenden. Je mehr Facebook über die Nutzer erfährt, umso genauer kann Werbung geschaltet werden. Dazu entscheidet so gut wie immer Facebook, was privat ist und welche Daten es verwenden darf. Immer wieder gerät Facebook deswegen in die Kritik. Viele Dienste von Facebook verstoßen nach Ansicht von Daten- und Verbraucherschützern gegen geltendes Recht.

Die Schulen, die einen Erziehungs- und Bildungsauftrag haben, sollten nicht davor die Augen verschließen. Vielmehr liegt es auch in ihrer Verantwortung, den Schülern einen gewissenhaften und sicheren Umgang mit den Medien beizubringen. Natürlich ist es wichtig und nützlich, dass Lehrer die neuen digitalen Möglichkeiten nutzen. Schulen sind aber besser damit bedient, wenn sie auf eigene datenschutzkonforme Lernplattformen zurückgreifen, anstatt sich einem kommerziellen Dienst wie Facebook anzuschließen. Schließlich haben bei Facebook die Schulen keine Kontrolle über die Datenverarbeitung. Darüber hinaus wimmelt es in Facebook nur so vor Werbung und nicht immer ist diese als solche gekennzeichnet oder für den Nutzer erkennbar. Nicht umsonst ist Werbung in Schulen in vielen Bundesländern verboten mit der Begründung, dass gerade Kinder durch die Einflussnahme von Werbung in politischer oder wirtschaftlicher Hinsicht geschützt werden sollten.

Befreundet mit dem Lehrer?

Viele Lehrer sind selbst bei Facebook angemeldet und wollen ihre Schüler dort abholen, wo sie sind – bei Facebook. Hier haben es Lehrer leicht, ihre Schüler auch außerhalb des Klassenraums zu erreichen, Sportfeste zu organisieren und so das Vertrauen zu ihren Schülern zu erhöhen. Einige Lehrer nutzen die virtuelle Freundschaft auch, um ihre Schüler über Facebook aufzuklären. Bist du sicher, dass dieses Foto dein Lehrer sehen sollte? So wird ganz praktisch Medienkompetenz erlernt und gestärkt.

Doch so eine Schüler-Lehrer-Facebook-Freundschaft ist problematisch. Kritiker warnen vor einer erhöhten Missbrauchsgefahr. Zu schnell kann die Grenze zwischen Lehrer und Privatperson verschwimmen und vermeidbare Konflikte können entstehen. Wie soll ein Lehrer beispielsweise reagieren, wenn er mit beleidigenden und diskriminierenden Statusmeldungen seiner Schüler konfrontiert wird?

Für Lehrer ist es schwierig, das richtige Auftreten und den richtigen Umgang in Facebook zu ihren Schülern zu haben. Schnell kann es ins Private abrutschen. Nicht umsonst schreiben einige Schulen Lehrern bereits vor, zwei Accounts zu führen: Einen privaten und einen beruflichen.

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15.08.2012
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Facebooks Schulinitiative
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