Über diesen Artikel
Datum:
18.07.2012
Autor:
Thorsten Greb
Aktionen:
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/facebooks-chatmonitoring-hinterlaesst-offene-fragen.html
Title:
Facebooks Chatmonitoring hinterlässt offene Fragen
Kategorie:
Jugendmedienschutz
Facebook     

Facebooks Chatmonitoring hinterlässt offene Fragen

Facebook
Facebook     
© facebook Pressroom

Facebook überwacht die private Kommunikation seiner Nutzer. Das überrascht nicht wirklich, wurde jedoch am vergangenen Wochenende erstmals in dieser Klarheit von einem Mitarbeiter des Unternehmens bestätigt. Gegenüber Reuters äußerte Facebooks Sicherheitschef Joe Sullivan, dass das Unternehmen die Chats seiner Nutzer nach Schlüsselbegriffen scannt, die auf potentielle Sexualstraften gegenüber Minderjährigen hindeuten könnten.

Medienangaben zufolge passiere die Überwachung vollautomatisch mit Hilfe eines Softwarealgorithmus, der neben der Wort- und Textanalyse auch Parameter wie das Alter der Kommunikationspartner erfasst und zudem prüft in welcher Beziehung diese zueinander stehen. Mit einbezogen in die Analyse werden auch archivierte Chats, die tatsächlich stattgefundenen sexuellen Übergriffen vorausgegangen sind.

Die Vorgehensweise von Facebook lässt jedoch viele Fragen offen, besonders im Hinblick auf die Effektivität der Überwachung und ihre datenschutzrechtliche Konformität. Zwar sei die Kriminalitätsvorbeugung im Internet grundsätzlich zu begrüßen, „in diesem speziellen Fall allerdings existieren zu viele unbekannte Faktoren, um dieses Vorgehen aus kriminalpräventiver Sicht positiv oder negativ zu bewerten“, so Kriminalrat Harald Schmidt von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes gegenüber DIGITAL LERNEN. „Dazu gehören unter anderem Fragen nach dem tatsächlichen Raster, nach dem die Kommunikation der einzelnen Mitglieder durchsucht wird und wie und ob die Facebook-Mitarbeiter geschult werden, um mögliche Gefahren zu erkennen. Zudem besteht trotzt dieser neuen Vorgehensweise auch weiterhin die Gefahr, dass potenzielle Täter sich so genannte Fake-Profile anlegen, in denen sie sich als Minderjährige ausgeben, um ihre meist minderjährigen Opfer kennenzulernen. Da die Neuentwicklung erst ab einem bestimmten Altersunterschied zwischen Netzwerk-Mitgliedern greift, erscheint der Erfolg hierbei fragwürdig“, so Schmidt weiter.

Dr. Moritz Karg vom Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit äußerte gegenüber DIGITAL LERNEN: „Selbstverständlich sehen wir die Notwendigkeit, jugendliche Nutzerinnen und Nutzer adäquat vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Ein derartiger Schutz muss jedoch rechtskonform realisiert werden. Ob das durch Facebook eingesetzte Verfahren diesen Anforderungen gerecht wird, muss nunmehr geprüft werden."

Eine abschließende datenschutzrechtliche Bewertung steht demnach noch aus, zweifelhaft bleibt das Vorgehen aber, solange nicht geklärt ist, wer Zugriff auf die gesammelten Daten hat und wie diese Daten weiterverarbeitet werden.

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18.07.2012
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Thorsten Greb
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