Über diesen Artikel
Datum:
06.06.2012
Autor:
Sascha Steuer
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/facebook-laesst-die-nutzer-abstimmen-zum-schein.html
Title:
Facebook lässt die Nutzer abstimmen – zum Schein
Kategorie:
Jugendmedienschutz
Verbraucherschützer Gerd Billen

Facebook lässt die Nutzer abstimmen – zum Schein

Verbraucherschützer Gerd Billen

Noch zwei Tage haben die Nutzer von Facebook Zeit über die neuen Nutzungsbedingungen abzustimmen.  Zur Abstimmung stehen die alte und die neue Datenschutzrichtlinie. Doch rund 30 Prozent aller Facebook-Nutzer – das sind rund 300 Millionen Menschen - müssten an der Abstimmung teilnehmen, um das Ergebnis bindend zu machen. Das ist unwahrscheinlich, da  Facebook die Nutzer nicht grundsätzlich per Message über Abstimmung informiert hat.

Für deutsche Datenschützer ist es unerheblich, ob die alten oder die neuen Nutzungsbedingungen gelten. Nach Aussage des Datenschutzzentrums Schleswig-Holstein enthalten beide Alternativen  „rechtswidrige Klauseln, so dass guten Gewissens beide nicht wählbar sind.“ Die Rechtswidrigkeit der alten Nutzungsbedingungen hatte Anfang März 2012 schon das Landgericht Berlin festgestellt, Facebook ging dagegen in Berufung. Dass diese Nutzungsbedingungen dennoch überhaupt noch zur Wahl stehen, finden die Datenschützer „unverfroren“.

Grundsätzlich geht es darum, dass Facebook Nutzerdaten sammelt und verwertet, ohne für die Nutzung um eine explizite Zustimmung zu bitten. Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, fand in einem Offenen Brief deutliche Worte für das Verhalten von Facebook: „Das Unternehmen setzt sich über die Datenschutzbelange der Nutzer hinweg, in dem die Daten auch ohne die Einwilligung genutzt werden." Bei der Verbraucherzentrale kümmert sich das Projekt „Verbraucherrechte in der digitalen Welt“ um den Verbraucherschutz im Internet.

Der Leiter des Datenschutzzentrums Dr. Thilo Weichert kommentiert: „Ehrlich wäre es gewesen, sich mit den Forderungen der Nutzerinnen und Nutzer ernsthaft auseinanderzusetzen und echte Alternativen – natürlich auf Basis einer rechtskonformen Lösung – zur Wahl zu stellen. So ist die Abstimmung reine Augenwischerei. Das ganze Verfahren zeigt, dass Facebook keine wirkliche Mitbestimmung der Mitglieder möchte. Facebook stößt die vielen tausend Nutzerinnen und Nutzer, die sich an der Diskussion um die Regelungen beteiligt haben, vor den Kopf.“

Neben der Diskussion um den Datenschutz, muss sich Facebook auch mit Fragen zur Effektivität der Werbeanzeigen beschäftigen. Wie eine Umfrage von Reuters in den USA herausgefunden hat, führen die Anzeigen auf Facebook nur selten zu Kaufentscheidungen der Nutzer. Vier von fünf Amerikanern geben an, noch nie aufgrund von Facebook-Werbung bestimmte Produkte gekauft zu haben, berichtet die Huffington Post. Damit wäre Facebook weniger effektiv als beispielsweise Direktmailings, kommentiert ein Werbeexperte gegenüber derselben Zeitung. Die Umfrage fällt in eine Zeit, in der das Renommee von Facebook  durch den verpatzten Börsenstart ohnehin angekratzt ist.

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06.06.2012
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Sascha Steuer
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Facebook lässt die Nutzer abstimmen – zum Schein
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