Über diesen Artikel
Datum:
18.10.2010
Autor:
Redaktion
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/diskussion-um-paedophile-im-netz-kinder-anmache-im-internet-seit-2004-verboten.html
Title:
Diskussion um Pädophile im Netz: Kinder-Anmache im Internet seit 2004 verboten
Kategorie:
Jugendmedienschutz
Tatort Internet mit Stepahnie zu Guttenberg

Diskussion um Pädophile im Netz: Kinder-Anmache im Internet seit 2004 verboten

Deutschland war schockiert, als in der vergangenen Woche die Bilder der neuen RTL2 Sendung „Tatort Internet“ erstmals über den Bildschirm flimmerten. Nun ist gar ein mutmaßlicher Pädophiler verschwunden, er wurde nach der zweiten Sendung im Internet enttarnt. Pädophile werden in der Sendung vor laufender Kamera auf frischer Tat ertappt. Die Kontakte bahnen die Pädophilen über das Internet an, dort geben sie sich erst als Kinder oder Jugendliche aus und erschleichen sich so das Vertrauen der Kinder. Grooming heißt das in der Internetsprache. Was kaum einer weiß: Seit 2004 ist es in Deutschland bei Strafe verboten sich über das Internet Kindern zu nähern und sie sexuell zu belästigen.

Doch das Gesetz findet offenbar kaum Anwendung, kaum einer kennt den Paragraphen 176 des Strafgesetzbuches. Das liegt vielleicht auch an der etwas unverständlichen Formulierung: „Mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren wird bestraft, wer […] 3. auf ein Kind durch Schriften (§ 11 Abs. 3) einwirkt, um es zu sexuellen Handlungen zu bringen, die es an oder vor dem Täter oder einem Dritten vornehmen oder von dem Täter oder einem Dritten an sich vornehmen lassen soll […]“. In der ersten Sendung „Tatort Internet“ hieß es daher auch nach einem Beitrag: „Leider reicht das Material den Ermittlungsbehörden nicht aus, um einen Anfangsverdacht zu generieren“. In der Bild-Zeitung fordert der CSU-Rechtsexperte Norbert Geis deshalb Nachbesserungen am Gesetz: „Der Rechtsstaat muss sich mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gegen das Grooming wehren. Deswegen ist eine ganz klare Formulierung im Strafgesetzbuch erforderlich.“

Laut KIM-Studie nutzten im Jahr 2008 59 Prozent der Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren das Internet. 37 Prozent der 6- bis 13-jährigen Internetnutzer sind gelegentlich in Chatrooms unterwegs. 17 Prozent dieser Kinder mit Chat-Erfahrung berichten, dass sie schon einmal auf unangenehme Leute in Chatrooms getroffen seien. Jeder zehnte 12- bis 13-Jährige hat sogar mit einem Fremden aus dem Internet telefoniert bzw. sich persönlich getroffen.

Es ist angesichts dieser Zahlen allerdings unverständlich, wie Blogger in einigen Internetforen die Sendung wegen ihrer reißerischen Art zwar verurteilen, aber nichts über einen besseren Schutz der Kinder sagen.

"Tatort Internet vermied jede Möglichkeit, die Zuschauer jenseits der Panikmache klüger zu machen“, findet gar ein Kommentator. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Sendung macht klüger, sie zeigt wie gefährlich ein Chat sein kann, wie viele Kinder darauf hereinfallen, wie „normal“ Pädophile ausschauen, wie hilflos der Rechtsstaat mit der aktuellen Gesetzeslage ist. Jede wöchentliche Ausstrahlung wird das Bewusstsein der Eltern schärfen und allein dadurch zu mehr Sicherheit beitragen. Die Blogger sollten aufpassen, dass ihnen angesichts der ehrenwerten Abwehr jeder Zensur im Internet nicht nachgesagt werden kann, sie würden die tatsächlichen Gefahren verharmlosen.

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18.10.2010
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