Über diesen Artikel
Datum:
22.05.2012
Autor:
Sascha Steuer
Aktionen:
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/der-wert-von-facebook-wird-rapide-fallen.html
Title:
Der Wert von Facebook wird rapide fallen
Kategorie:
Jugendmedienschutz, Gastbeitrag / Interview
gastautoren stift

Der Wert von Facebook wird rapide fallen

Der Börsengang von Facebook fasziniert und verwirrt zugleich. Auf 100 Milliarden Dollar wird der Wert von Facebook taxiert. Nüchtern betrachtet ist Facebook eine kostenlos nutzbare Dienstleistung zur Interaktion von Menschen. Diese Leistung allein dürfte wohl kaum 100 Milliarden wert sein. Auch die Serverfarmen, auf denen der Speicherplatz zur Verfügung gestellt wird, sind keine 100 Milliarden wert.

Der Wert ergibt sich im Wesentlichen aus den Daten von 900 Millionen Nutzern und deren Verwertbarkeit für personalisierte Werbung. Andersherum gesagt, der Wert des Sozialen Netzwerkes bestimmt sich durch die Werbeetats der Unternehmen, die bereit sind, für eine möglichst individualisierte Anzeigenplatzierung bei Facebook zu bezahlen. Die Unternehmen tun dies, weil sie der Auffassung sind, so ihre potentiellen Kunden gut erreichen zu können. Wie eng dieser Zusammenhang ist, hat die Aufregung um den geplatzten Werbedeal zwischen General Motors und Facebook gezeigt. Bei welchem anderen Unternehmen erlangen geplatzte Werbedeals das Licht der Öffentlichkeit? Doch welche Einflussfaktoren bestimmen diese Erreichbarkeit durch Werbung und inwiefern sind diese durch Facebook selbst beinflussbar?

Der umtriebige schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert erinnerte angesichts des Börsengangs erneut daran, dass Facebook "gegen deutsches und europäisches Datenschutzrecht verstößt". Allein in seinem Bundesland laufen drei Gerichtsverfahren gegen Facebook. Sollten die Verfahren erfolgreich sein oder sollte der Entwurf der neuen EU-Verordnung zum Datenschutz Wirklichkeit werden, kommen harte Zeiten auf Facebook zu. Eine ganze Palette von Facebook-Funktionen wäre dann in Deutschland bzw. Europa nicht mehr einsetzbar. Die Verwertbarkeit der Nutzerdaten würde eingeschränkt und damit auch die Attraktivität dort Anzeigen zu schalten. Ohne eigenes Zutun würde so der Wert des Unternehmens rapide fallen und damit das eingesetzte Kapital der Anleger vernichtet werden.

So wenig wünschenswert dies für die Anleger ist, so notwendig ist es für die Durchsetzung des deutschen Datenschutzrechts auch auf international operierenden Plattformen. Nur so können Nutzer vor der  unkontrollierbaren Nutzung ihrer Daten durch Dritte geschützt werden. Dies gilt übrigens auch für die naiven Nutzer, die nicht wissen oder wissen wollen, was mit ihren Daten passiert. Es zeichnet gerade das deutsche Datenschutzrecht aus, dass Bürger grundsätzlich darauf vertrauen können, dass Behörden und Unternehmen restriktiv mit der Datenerhebung und -verwertung umgehen. Die massive Speicherung von persönlichen Daten mag in einer Demokratie wenig gefährlich erscheinen, doch ist sie immer eine Möglichkeit der Machtausübung. Es kommt nur auf die Verfasstheit des Systems oder des Unternehmens an, ob es sich dieser Möglichkeit bedient. Ein Grundsatz sollte gelten: Was unser demokratisch verfasster und kontrollierter Staat nicht an Daten über uns erheben darf, sollten wir erst recht keinem Unternehmen anvertrauen, das nicht einmal dem deutschen Recht unterliegt.

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22.05.2012
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Sascha Steuer
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Der Wert von Facebook wird rapide fallen
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