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Datum:
13.08.2010
Autor:
Redaktion
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http://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/der-medienfuehrerschein-und-andere-absurde-begrifflichkeiten-glosse.html
Title:
Der „Medienführerschein“ und andere absurde Begrifflichkeiten – Glosse
Kategorie:
Jugendmedienschutz
gastautoren stift

Der „Medienführerschein“ und andere absurde Begrifflichkeiten – Glosse

Die neue Nordrhein-Westfälische Landesregierung will mehr Medienkompetenz in die Schulen bringen und Schülern einen „Medienkompetenzführerschein“ anbieten. Dabei sollen alle Online- und Printmedien behandelt und den Schülern Kompetenzen für die Nutzung aller Medien vermittelt werden. Wie die NRW-Medienministerin Dr. Angelica Schwall-Düren der WAZ sagte, ginge es darum „Mädchen und Jungen einen rationalen Umgang mit den digitalen Möglichkeiten nahezubringen“. So weit so gut. Doch der Begriff „Führerschein“ lässt eine fragwürdige Herangehensweise befürchten. Auch wenn der Begriff nicht neu ist, mutet er doch immer wieder seltsam an. Schließlich berechtigt ein Führerschein erst zum Fahren eines Autos oder Motorboots, das Internet kann hingegen jeder nutzen und Zeitung lesen eben auch. Kein Schüler der schon seit Jahren im Internet surft, wird von sich annehmen, dass er einen Test zum Bestehen eines Führerscheins ablegen müsse. Oder dass er sich gar von Lehrern etwas über facebook erklären lässt, die selbst kein eigenes Profil besitzen. So als hätte der Fahrlehrer mal etwas vom Autofahren gelesen. Gute Fahrt! Es ist auch noch nie einer auf die Idee gekommen, man bräuchte einen „Einkaufsführerschein“ bevor man das erste Mal in den Supermarkt geht. Also bitte: Medienkompetenz gehört als integraler Bestandteil in jedes Unterrichtsfach. Computernutzung und Internet sind keine eigenständigen Sonderthemen, sondern lediglich Medien zum Erlernen anderer Unterrichtsinhalte. Soweit sollten wir im Jahr 2010 auch in Deutschland gekommen sein. Und klar ist auch: Lehrer, legt Euch ein facebook Profil an, dann wisst Ihr auch endlich, wie viel Zeit Eure Schüler noch für Hausarbeiten hätten.

Auch Bayern hat mit der Einführung eines sogenannten Medienführerscheins begonnen. Nach der Evaluation der Pilotphase an 30 Schulen soll das Angebot ab dem Schuljahr 2010/2011 flächendeckend in ganz Bayern auf die 3. und 4. Klassen und auf die weiterführenden Schulen ausgedehnt werden. Lehrkräfte sollen gemeinsam mit ihren Klassen flexibel entscheiden können, wann sie welche Inhalte der Medienerziehung in den Unterricht integrieren. Dies dürfe allerdings auch kein punktueller Test sein, betonte Kultusstaatssekretär Dr. Marcel Huber. Denn die Medienwelt ändere sich rasant und stelle junge Menschen in den verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung vor immer neue Herausforderungen. Die Presseerklärung verrät: „Deswegen müsse er sich über die gesamte Schulzeit erstrecken und flexibel neue Entwicklungen abbilden. Im Unterricht soll die Schülerkompetenz aktiv einbezogen werden, da junge Menschen Erwachsenen bei den technischen Fertigkeiten der Mediennutzung oft voraus sind. Außerdem sollen die Eltern der teilnehmenden über Informationsmaterial und Elternabende gezielt mit eingebunden werden.“ Gut geschrieben. Das hört sich alles nach schlauer Medienkompetenzvermittlung an, also bitte machen, aber ohne Führerschein.

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13.08.2010
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