Über diesen Artikel
Datum:
11.04.2012
Autor:
Sascha Steuer
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/diverses/artikel/westermann-reine-verbotspolitik-hilft-gegen-illegales-einscannen-nicht-weiter-interview-mit.html
Title:
Westermann-Verlag: „Reine Verbotspolitik hilft gegen illegales Einscannen nicht weiter“ Interview mit Geschäftsführer Dr. Peter Schell
Kategorie:
Gastbeitrag / Interview
gastautoren stift

Westermann-Verlag: „Reine Verbotspolitik hilft gegen illegales Einscannen nicht weiter“
Interview mit Geschäftsführer Dr. Peter Schell

Der Verband der Bildungsmedien hat zusammen mit 27 Schulbuchverlagen eine Preview-Version des „Digitalen Schulbuchs“ vorgestellt. Die Schulbuchverlage haben sich darauf geeinigt ihre Printausgaben nach und nach zu digitalisieren und in einem einheitlichen Format über eine zentrale Plattform anzubieten. Über die Initiative sprachen wir mit dem Geschäftsführer der Westermann Verlagsgruppe, Dr. Peter Schell.

 

DIGITAL LERNEN: Herr Dr. Schell, was erwarten Sie vom Digitalen Schulbuch?

Dr. Peter Schell: Wir erwarten vom Digitalen Schulbuch, dass der Unterricht für die Lehrer insofern einfacher wird, als dass sie umfangreiche Materialen zur Unterrichtsvorbereitung zusammen mit dem Digitalen Schulbuch bekommen. Der Unterricht wird so multimedialer, vielfältiger und damit ansprechender für die Schüler und auf Sicht auch praktikabler für die Lehrer.

Wann haben Sie entschieden beim Digitalen Schulbuch mitzumachen?

Was wir heute sehen, brauchte einiges an Vorarbeit. Die Entwicklung geht seit zwei Jahren. Wir machen mit, weil die Schulen von uns erwarten, dass unsere Bildungsinhalte auch in digitaler Form zur Verfügung gestellt werden, damit sie direkt im Klassenraum digital eingesetzt werden können. Da die Schulen dies nach dem Urheberrecht zwar bisher nicht dürfen, aber die Praxis, Bücher einzuscannen und zu benutzen, immer mehr um sich greift und eine reine Verbotspolitik hier nicht mehr weiter hilft, haben wir uns entschlossen, die Initiative zu ergreifen. Wir haben uns in Bewegung gesetzt und bieten den Schulen nun unsere Inhalte digital an, verbunden mit einer Software, die es den Schulen erlaubt, die Inhalte im Unterricht zu bearbeiten.

Sollten die Bücher im digitalen Zeitalter nicht auch interaktiv sein oder reichen einfache Unterstreichungsfunktionen?

Es wird sehr unterschiedliche Varianten geben, je nach Fächern und Schulformen. Es kann in einem Fall so sein, dass die Schule die Buchseite über den Beamer einfach an die Tafel wirft. Das hätte immerhin den Vorteil, dass Markierungen auf den Seiten abgespeichert werden können. Wir gehen aber davon aus, dass das Nutzungsverhalten sich ändern wird. Die Struktur des bisherigen Schulbuchs wird sich ändern und die Bücher werden durch multimediale Begleitmaterialien lebendig werden. So können Filme eingespielt werden, gerade im Biologieunterricht ist das möglich. Es wird also zu einer massiven Ausweitung der Materialien kommen, die der Lehrkraft für die Unterrichtsgestaltung zur Verfügung stehen. Außerdem werden die Klassen immer heterogener, dem kann man mit frei zuschaltbaren Inhalten begegnen und so dem Lehrer ein binnendifferenziertes Unterrichten ermöglichen.

Ist dafür eine Umstrukturierung Ihres Verlagshauses notwendig, auf welche Veränderungen richten Sie sich ein?

Die Einführung der Digitalen Schulbücher wird nicht dazu führen, dass die Bildungsausgaben der Bundesländer steigen werden. Die Ausgaben für die digitalen Bildungsmedien werden zwangsläufig anderswo abgezogen. Der Kauf der Lizenz eines Digitalen Schulbuchs ersetzt also den Kauf des Printmediums. Daher versuchen wir mit unserem bisherigen Personalstand dieser Herausforderung zu begegnen. Wir bekommen mehr Redakteure, die das Begleitmaterial erstellen, und die Redakteure, die im klassischen Printbuchbereich arbeiten, werden entsprechend weniger.

Sie sagten, dass Lizenzen erworben werden. Die Digitalen Schulbücher kommen also nicht als Eigentum zu den Schülern?

Dieser Punkt ist wichtig. Beim Digitalen Schulbuch gehen wir davon aus, dass wir Jahreslizenzen verkaufen. Wir liefern ja kein Papier mehr aus, das mit der Auslieferung in das Eigentum der Schule übergeht.

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Datum:
11.04.2012
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Sascha Steuer
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Westermann-Verlag: „Reine Verbotspolitik hilft gegen illegales Einscannen nicht weiter“ Interview mit Geschäftsführer Dr. Peter Schell
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