Über diesen Artikel
Datum:
27.12.2010
Autor:
Redaktion
Aktionen:
Drucken
URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/diverses/artikel/professor-niesyto-medienkompetenz-und-medienbildung-gehoeren-zu-den-unverzichtbaren-bildungsaufgabe.html
Title:
Professor Niesyto: Medienkompetenz und Medienbildung gehören zu den unverzichtbaren Bildungsaufgaben
Kategorie:
Gastbeitrag / Interview
Professor Horst Niesyto     

Professor Niesyto: Medienkompetenz und Medienbildung gehören zu den unverzichtbaren Bildungsaufgaben

Professor Horst Niesyto
Professor Horst Niesyto     
© Prof. Niesyto

DL: Deutschland fällt laut OECD beim Einsatz digitaler Medien im Unterricht hinter anderen Ländern weit zurück. Was müsste Ihrer Meinung nach passieren, damit der Einsatz digitaler Medien im Unterricht deutlich verstärkt würde?

Professor Horst Niesyto: Es geht insgesamt um die Frage, wie Medienbildung und Förderung von Medienkom-petenz breit und nachhaltig an Schulen verankert werden kann. Nach meiner Einschätzung sind hierfür folgende Maßnahmen vordinglich: Erstens brauchen wir eine medienpädagogische Grundbildung für alle Studierende in Pädagogik-Studiengängen, die verbindlich in Studien- und Prüfungsordnungen integriert wird. Es geht darum, die Studierenden zu motivieren und zu sensibilisieren, die Medienerfahrungen von Schülerinnen und Schüler aufzugreifen, diese mit Bildungs- und Lernprozessen in vielfältiger Weise zu verknüpfen und Medienbildung im beruflichen Selbstverständnis von angehenden Lehrkräften zu verankern. Zweitens ist es notwendig, dass die Rahmenrichtlinien der Kultusministerkonferenz aus den 1990er Jahren zu Medienpädagogik in der Schule aktu-alisiert und auf Länderebene Medienbildung in den Curricula der Schulfächer und fächerübergreifend erheblich besser platziert werden, insbesondere im Hinblick auf Mindeststandards der Medienkompetenz von Schülerinnen und Schülern in verschiedenen Altersstufen. Dies muss drittens einhergehen mit einer regelmäßigen Überprüfung/Evaluation und Sicherung dieser Standards wie in anderen Kompetenzbereichen auch. Schließlich ist es notwendig, Medienbildung als Thema der Schulentwicklung zu verankern, Funktionsstellen an Schulen für Medienbildung zu schaffen, die verschiedenen Phasen der Lehrerbildung bezüglich der Medienbildung besser zu verzahnen, die Teilnahmemöglichkeit an Fortbildungsangeboten attraktiver zu gestalten. Kurzum: Ohne nachhaltige, strukturelle Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen wird es keine entscheidenden Fortschritte in der Medienbildung an Schulen geben. Die Kooperation mit außerschulischen Partnern, mit verschiedenen Lernorten und (zu verbessernde) Beratungsangebote für Eltern sind sehr wichtig, können aber Veränderungen im schulischen System selbst nicht ersetzen. Nach meiner Einschätzung dominiert immer noch das Fächerprinzip zu sehr in der schulischen Bildung; gesellschaftlich relevante Schlüsselthemen kommen zu kurz. Bei allem ist klar: Strukturelle Veränderungen können nicht einfach „verordnet“ werden; sie sind von einem Diskussionsprozess unter allen Akteurinnen und Akteuren zu begleiten. Nur wenn die Lehrkräfte den Mehrwert von Medienbildung selbst erfahren und erkennen, wird sich etwas im Schulalltag verändern.

DL: Sind dies heute andere Herausforderungen als vor 15 Jahren, was hat sich Ihrer Meinung nach verändert, welchen Medienbegriff brauchen wir im 21. Jahrhundert?

Die Medienpädagogik hat sich schon immer gegen eine Reduktion des Medienbegriffs auf technisch-instrumentelle Fragen im Sinne von „Bedienwissen“ gewendet. Die mediale Perspektive in Bildungs-, Erziehungs- und Lernprozessen geht von einem Medialitätsverständnis aus, welches die Medialität von Bildungsinhalten, von Vermittlungsprozessen und von subjektiven Deutungs- und Handlungsmustern umfasst. Es geht um ästhetische, soziale, kommunikative, identitätsstiftende Funktionen, die mit dem Mediengebrauch verknüpft sind. Mit der digitalen Revolution stellen sich Persönlichkeitsentwicklung, Lebensbewältigung und die Suche nach Orientierung und Sinn für die junge Generation in neuartige Weise. Das Internet hat sich zu einem komplexen Sozial- und Kulturraum entwickelt, der u. a. neue Ausdrucks- und Partizipationsmöglichkeiten bietet und das Verhältnis von privat und öffentlich verändert hat.

1 2 3 4 5  
Über diesen Artikel
Datum:
27.12.2010
Autor:
Redaktion
Aktionen:
Drucken
URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/diverses/artikel/professor-niesyto-medienkompetenz-und-medienbildung-gehoeren-zu-den-unverzichtbaren-bildungsaufgabe.html
Title:
Professor Niesyto: Medienkompetenz und Medienbildung gehören zu den unverzichtbaren Bildungsaufgaben
Kategorie:
Gastbeitrag / Interview
Professor Horst Niesyto     
Diesen Artikel teilen
Anzeige
Anzeige
Anzeige