Über diesen Artikel
Datum:
14.06.2012
Autor:
Sascha Steuer
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/diverses/artikel/nadine-schoen-die-wuerde-der-anderen-gilt-auf-dem-schulhof-genau-wie-bei-facebook.html
Title:
Nadine Schön: „Die Würde der anderen gilt auf dem Schulhof genau wie bei Facebook.“
Kategorie:
Gastbeitrag / Interview, Netzpolitik
Nadine Schöne, Mitglied des Deutschen Bundestages

Nadine Schön: „Die Würde der anderen gilt auf dem Schulhof genau wie bei Facebook.“

Nadine Schöne, Mitglied des Deutschen Bundestages

Nadine Schöne, Mitglied des Deutschen Bundestages

Immer mehr Kinder haben einen eigenen Computer im Kinderzimmer. Doch wenn es um Kinder- und Jugendschutz im Internet geht, fühlen sich viele Eltern hilflos. DIGITAL LERNEN sprach mit der CDU-Bundestagsabgeordneten und Familienpolitikerin Nadine Schön über die Aufgabe von Staat und Eltern.

DIGITAL LERNEN: Welche Kinderthemen sind aus ihrer Sicht im Jahr 2012 in Deutschland aktuell?

Nadine Schön: Das Themenspektrum ist sehr groß. Das fängt an bei der Kindergesundheit, Ernährung, Betreuung, Freizeitgestaltung, auch der Umgang mit Konflikten, sei es im Elternhaus oder im Freundeskreis. Was ebenfalls immer wichtiger wird, ist der Umgang mit Medien in einer digitalen Welt, die auch den Alltag der Kinder immer mehr bestimmt.

Der Entwicklungspsychologe Helmut Fend meint, dass diese gesellschaftliche Entwicklung zu immer mehr Möglichkeiten führt, uns zu verhalten und uns zu bewegen. Was müssen Eltern Ihrer Meinung nach tun, um die Kinder auf diese neuen Freiheiten vorzubereiten? Müssen Kinder alles ausprobieren, oder müssen Eltern ihren Kindern auch Grenzen setzen?

Hier denke ich, ist das Wort Verantwortung entscheidend. Was Eltern ihren Kindern beibringen – und das tun sie glücklicherweise in den allermeisten Fällen –  ist, Verantwortung zu übernehmen für den eigenen Umgang mit den Möglichkeiten und auch im Umgang mit den Mitmenschen. Daraus ergeben sich von selbst Grenzen, Grenzen die einfach da sind, wenn Rechte anderer Betroffen sind, dass meine Freiheit spätestens an dem Punkt aufhört, wo die Würde des anderen beginnt. Hier haben Eltern natürlich eine sehr große Verantwortung, aber natürlich auch die Gesellschaft, die Schulen, die Bildungseinrichtungen und alle, die sich ehrenamtlich mit Kindern beschäftigen.

Sie sagen, die Grenzen befinden sich dort, wo andere Menschen durch das eigene Verhalten gestört werden. Wie aber ist es mit dem gesunden Aufwachsen der Kinder selbst, wenn kein anderer berührt wird? Wer schützt die Kinder vor sich selbst?  

Unsere Verfassung sagt, dass die Hauptverantwortlichen für die Erziehung der Kinder die Eltern sind. Aber auch der Staat hat die Verantwortung, Fürsorge zu übernehmen, dass Kinder unbeschadet von Gefahren aufwachsen können. Und deshalb haben wir das System, dass die Verantwortung der Eltern betont, aber gleichzeitig auch dort Grenzen setzt, wo die die Eltern in der Wahrnehmung ihrer Verantwortung überfordert sind. Dort greift der Staat ein und gibt den rechtlichen Rahmen vor mit der entsprechenden Gesetzgebung. Dazu gehört auch ein gesellschaftlicher Konsens, ab welchem Alter man gewisse Rechte, aber auch gewissen Pflichten haben sollte.

Also bleiben die Eltern in der Pflicht?

Absolut! Die Eltern bleiben nach unserem gesellschaftspolitischen Bild in der Pflicht. Es kann immer nur ein Zusammenwirken von den Eltern, der Gesellschaft und dem Staat funktionieren.

Laut UN-Kinderrechtskonvention bedürfen Kinder auch des besonderen Schutzes vor Medien, die nicht an Kinder herandringen sollen. Wenn ich heute bei Google den Begriff „Porno“ eingebe, bekomme ich 967 Millionen Ergebnisse. Was bedeutet das für den Kinder- und Jugendschutz?

Wir haben mit dem Internet Möglichkeiten, an Informationen zu kommen, die ich mir vor 20 Jahren nicht auf einem ähnlich einfachen Weg hätte besorgen können. Wenn wir sagen: wir ziehen Schranken bei Alkohol, dem Zugang zu Pornografie, dem Zugang zu gewaltverherrlichenden Aktionen, dann muss das im normalen Leben gelten genauso wie in den Medien, wo es ja auch eine Gesetzgebung gibt.

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14.06.2012
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Sascha Steuer
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