Über diesen Artikel
Datum:
16.08.2013
Autor:
Dr. Ingo Bosse
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/diverses/artikel/medien-als-unterstuetzung-im-inklusionsprozess.html
Title:
Medien als Unterstützung im Inklusionsprozess
Kategorie:
Gastbeitrag / Interview
Ingo Bosse     

Medien als Unterstützung im Inklusionsprozess

Ingo Bosse
Ingo Bosse     
© Stephan Sacher

Dr. Ingo Bosse ist Vertretungsprofessor am Lehrstuhl Rehabilitation und Pädagogik bei Körperbehinderung an der TU Dortmund. Die Schwerpunkte seiner Arbeit liegen bei der Medienbildung für und mit Menschen mit Behinderung und die Darstellung des Themas Behinderung in den Medien.

Inklusion – dieser Begriff, der lange Zeit nur in der pädagogischen Fachwelt diskutiert wurde, ist inzwischen in der Schulwirklichkeit angekommen. Seit der Ratifizierung des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderung der Vereinten Nationen – kurz UN-Behindertenrechtskonvention - ist rechtlich festgeschrieben, dass der Regelfall heißen wird: auch Schüler mit Behinderungen werden in allgemeinen Schulen unterrichtet. Dies stellt für viele Schulen eine enorme Herausforderung dar. Sie bringt mindestens ebenso viele Veränderungen mit sich wie das Lernen mit digitalen Medien. Die UN-Behindertenrechtskonvention denkt beide Bereiche zusammen. Informations- und Kommunikationstechnologien werden als wesentlich für die vollständige Umsetzung der Grund- und Menschenrechte von Menschen mit Behinderung gesehen. In der Schule eine Aufgabe, die unter dem Label inklusive Medienbildung den Anspruch vertritt, unterschiedlichen Heterogenitätsdimensionen gerecht zu werden.

Das Lernen mit und über Medien soll so gestaltet werden, dass es für alle eine Bereicherung darstellt und ein hohes Maß an Selbstständigkeit eröffnet. Dazu müssen Methoden und Erklärungsweisen gefunden werden, die für alle verständlich sind. Inklusive Medienbildung geht davon aus, dass alle Schüler am Gemeinsamen Lerngegenstand arbeiten. Dazu bedarf es einer leicht verständlichen Sprache, allgemeingültiger Pictogramme und eindeutigen Bildmaterials. Neben der Sprachebene wird auch das Lernen auf auditiver, haptischer und visueller Ebene. Formen aktiver Medienarbeit, die den Grundprinzipien des handlungs- und produktionsorientierten Unterrichts folgen, werden bevorzugt. Diese Grundprinzipien kommen allen Schülern zu Gute.

Für Schüler mit Behinderung ist es zudem häufig notwendig den Zugang zu Medien ohne Hindernisse – ergo Barrierefreiheit sicherzustellen. Barrierefreiheit bedeutet in diesem Kontext zum Beispiel, Webseiten und mobile (Web)Anwendungen anzubieten, die alle Schüler uneingeschränkt nutzen können. Der Abbau von Barrieren ist nicht ausschließlich für Menschen mit Behinderung bedeutsam, sondern käme allen Bürgern zu Gute. Für den Einsatz von Medien heißt das ganz konkret: Es müssen Geräte mit dem gleichen Standard ausreichend zur Verfügung stehen. Es muss Lehrkräfte geben, die angemessen vertraut im Umgang mit dieser Technik sind (oder bereit, es zu werden), um die Lernumgebung und die Lernprozesse für gemeinsame Bildung zu planen. Gerade ältere Schüler sind dabei häufig Experten in eigener Sache, mit denen kooperativ geplant werden kann.

Leicht zu bedienende Lernprogramme unterstützen bei der Aufbereitung und Organisation der Unterrichtsinhalte. Attraktive Lernsoftware bietet Schülern mit und ohne Behinderung vielfältigen motovierenden Zugang zu diversen Themengebieten. Die Inhalte sollten dabei leicht adaptierbar sein, um allen gerecht zu werden. Digitale Lehrwerke in bearbeitbaren Formaten ermöglichen leichtes Editieren und individuellen Zusammenstellen des Stoffs. Dabei ist Multimodalität wesentlich, das heißt, die Technik erlaubt die Ergänzung äquivalenter Alternativen, um Informationen für visuelles, haptisches, auditives Lernen aufzubereiten. Zugleich sollte das Prinzip von Einfachheit und Konstanz gewahrt bleiben. Vor allem Menschen mit Lernschwierigkeiten kommt es entgegen, wenn sie nur ein begrenzte Anzahl von Interaktionselementen erlenen müssen.

Die verantwortlichen pädagogischen Fachkräfte müssen vertraut sein mit der benötigten Technik – einschließlich der beeinträchtigungsspezifischen Bestandteile. Vorbild für die weitere Entwicklung könnten die USA sein.

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16.08.2013
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Dr. Ingo Bosse
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Gastbeitrag / Interview
Ingo Bosse     
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