Über diesen Artikel
Datum:
21.08.2013
Autor:
Dr. Joachim Wedekind
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/diverses/artikel/livecode-eine-option-fuer-das-programmieren-fuer-alle.html
Title:
LiveCode - eine Option für das "Programmieren für Alle"
Kategorie:
Gastbeitrag / Interview
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LiveCode - eine Option für das "Programmieren für Alle"

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© Markus Vogelbacher / pixelio.de

Dr. Joachim Wedekind ist Mediendidaktiker und promovierter Sozialwissenschaftler. Von 2001 bis 2012 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wissensmedien (Tübingen) tätig. In seinem "konzeptblog" befasst er sich intensiv mit Fragestellungen zum Einsatz digitaler Medien in der Bildung. In seinem Beitrag berichtet er über sein Interview mit Kevin Miller, dem CEO von RunRev – ein britisches Unternehmen, das mit der Umgebung LiveCode ein intuitives Tool für den Programmiereinstieg entwickelt hat.

Mit gewisser Regelmäßigkeit flammt die Diskussion um die Bedeutung der informatischen Bildung auf und in welcher Form informatische Inhalte in Lehrpläne zu integrieren  und im Schulalltag zu vermitteln sind. Verkürzt auf Slogans wie "Coding is the new Latin" oder "Programmieren für alle" finden sich mehrere Begründungslinien, warum und wie das Programmieren von Computern in der Schule gelehrt werden sollte. Wer diese Forderung praktisch umsetzen will, kommt am Ende um die Wahl einer konkreten Programmiersprache nicht herum. Dann stellt sich die Frage, ob der abgeleitete Slogan "JavaScript ist das neue Latein" nur eine Metapher oder schon eine Festlegung sein soll. Eine interessante Option ist jedenfalls LiveCode, ein Nachfolger des legendären HyperCard.

Bei einem Besuch in Edinburgh hatte ich Gelegenheit, Kevin Miller, Gründer und CEO der dort ansässigen Softwarefirma RunRev, zu interviewen. RunRev hat die Entwicklungsumgebung LiveCode entwickelt und kürzlich dank einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne als OpenSource verfügbar gemacht. Ich konnte Kevin Miller befragen zur Entwicklung von LiveCode und auch zur Rolle von ICT in britischen Schulen.

LiveCode: Kevin Miller begann bereits an der High School mit SuperCard (einem HyperCard-Klon), später mit MetaCard (einem Linux-basierten Klon) zu programmieren. Später arbeitete er dann daran mit, genau dieses MetaCard auf Windows zu portieren. Dabei entwickelte er Ideen, MetaCard zu erweitern. Als Apple HyperCard fallen ließ und sich mit komplexen Entwicklungsumgebungen (wie XCode) auf Programmierprofis konzentrierte, sah er den Bedarf für Werkzeuge, die sich wieder an jedermann richteten. Über eine Projektförderung konnte MetaCard übernommen werden und zu Revolution (einer plattformübergreifenden Linux-/Mac-/Windows-Version von MetaCard) weiter entwickelt werden.

Revolution bildete dann die Basis für die Weiterentwicklung zu LiveCode. Für dieses gilt "write once, run anywhere", nämlich insgesamt auf sechs Plattformen (iOS für iPhone, iPad, iPod touch, Android, Mac, Windows, Linux und Server für Cloud-Anwendungen). Es bietet eine grafische Umgebung für das Gestalten der Benutzeroberfläche. Bei der Zuordnung von Code zu den Objekten können auch plattformspezifische Funktionalitäten ausgenutzt werden (wie Kamera oder Sensoren bei Smartphones und Tablets).

Durch eine sehr erfolgreiche Kickstarter-Kampagne mit fast 500.000 £ von 3.342 Unterstützern ist LiveCode nun Open Source geworden. Das bedeutet, dass die Umgebung kostenlos erhältlich und für die Entwicklung von Open Source Anwendungen genutzt werden kann. So wird nun die Weitergabe von Programmen möglich, die z.B. von Lehrern oder Schülern geschrieben wurden, was bisher ausgeschlossen war. Für kommerzielle Programme wird nach wie vor eine kostenpflichtige Lizenz benötigt; ein Upgrading ist bei Bedarf möglich. Für die OpenSource Version wurde und wird die inzwischen 9 Jahre alte Code-Basis (mit 500.000 Zeilen Code) völlig erneuert. Insbesondere wird sie modularisiert, damit andere leichter Erweiterungen und Verbesserungen einbringen können.

IKT in Schulen: Auch in Großbritannien haben die Schülerzahlen in Informatik-/Computerkursen abgenommen, im Gegensatz zu anderen MINT-Fächern. Dies steht im krassen Gegensatz zur ökonomischen und gesellschaftlichen Bedeutung. Wenn, dann werden häufig nur Kenntnisse in Office-Programmen oder anderen Anwendungen vermittelt; das beherrschen die Schülerinnen allerdings meistens schon. Mit dem Programmieren lernen sie dagegen etwas für sie Neues. Der Einstieg an Schulen ist mit LiveCode besonders leicht und geeignet, weil die Programmiersprache eine "English-like"-Syntax besitzt. Dadurch besitzt sie eine große Ausdruckskraft und der Code ist sofort verständlich lesbar. Die Programmierer sollen sich auf Logik und Struktur ihrer Problemlösung konzentrieren können statt auf syntaktische Feinheiten.

In Schottland ist LiveCode an Schulen inzwischen weit verbreitet. Auch wenn informatische Inhalte ebenfalls Bestandteile im nationalen Curriculum des restlichen UK geworden sind, stellt sich die Frage, wer diese dann unterrichten soll. RunRev versucht deshalb den Lehrern entsprechende Materialien an die Hand zu geben. Ziel ist, dass alle Schüler Grundprinzipien des Programmieren kennen und eigene Erfahrungen damit sammeln können, keineswegs aber, sie zu Programmierern auszubilden. Mit LiveCode werden die Hürden dafür - z.B. im Vergleich zu JavaScript oder gar C - entscheidend gesenkt. Kevin Miller hält LiveCode ab ca. 13 Jahren für geeignet, weil die Schüler dann mit einfacheren Umgebungen wie Scratch oder App Inventor keine 'realen' Problem mehr lösen können.

LiveCode ist eine attraktive Alternative fürs „Programmieren für Alle“. Es wäre zu wünschen, eine aktive Community würde eine breite Basis geeigneter OER beisteuern. Zumindest in diesem Punkt ist Scratch ein bisher unerreichtes Beispiel.

Der Artikel ist zuvor im konzeptblog erschienen,

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21.08.2013
Autor:
Dr. Joachim Wedekind
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LiveCode - eine Option für das "Programmieren für Alle"
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Gastbeitrag / Interview
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