Über diesen Artikel
Datum:
14.05.2013
Autor:
Sven Becker
Aktionen:
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/diverses/artikel/jugendliche-eine-woche-ohne-smartphone-entzugserscheinungen-und-sozialer-ruin.html
Title:
Jugendliche eine Woche ohne Smartphone - Entzugserscheinungen und sozialer Ruin?
Kategorie:
Gastbeitrag / Interview
redaktion sven becker

Jugendliche eine Woche ohne Smartphone - Entzugserscheinungen und sozialer Ruin?

handyverbot
© Dieter Schütz / pixelio.de

Mit den digitalen Medien ist ein neues Spannungsverhältnis aufgetaucht: die Frage danach, ob es eine Sucht nach ihnen gibt, oder eher einen Zwang zu ihnen. Die Ergebnisse der einschlägigen Studien zum Mediennutzungsverhalten Jugendlicher zeichnen ein deutliches Bild - die Lebenswelt der Jugendlichen ist eine Medienwelt. Realität und Medialität sind in einer historisch neuen Qualität miteinander verwoben. Erziehungswissenschaftler, die sich mit Medien befassen, sagen deshalb, dass Bildung heute nicht mehr ohne Medien denkbar sei: Bildung sei immer auch Medienbildung. Nun gehört zur Bildung aber auch, von Zeit zu Zeit aus dem Gewohnten herauszutreten, um sich selbst als sich selbst sehen zu können und eine Metaperspektive einzunehmen. Diese Facette von Bildung wird nur selten hervorgehoben. Denn es ist nicht so sehr eine mess- und prüfbare Kompetenz, sondern vielmehr eine Erfahrung – und damit eine dieser unscharfen Kategorien des geisteswissenschaftlichen Denkens, mit denen sich die aktuelle Bildungsforschung so schwer tut. Das bedeutet allerdings nicht, dass solche Erfahrungen nicht wichtig sind. Denn sie ermöglichen erst den bewussten Umgang mit dem Alltäglichen.

Zwei Schulen haben das verstanden und ein Experiment gewagt. 45 Schüler aus zwei zehnten Klassen des Gymnasiums Martino-Katharineum und der Freien Waldorfschule in Braunschweig legten eine Woche lang ihre digitalen Begleiter zur Seite. Genauer: in einen Banksafe. Michael Roos ist Medienberater vom Elisabethstift der Diakonie Braunschweig und begleitete das Projekt. DIGITAL LERNEN hat mit ihm über den Versuch gesprochen.

DIGITAL LERNEN: Können Sie zunächst schildern, in welchem Kontext Sie arbeiten und welche Beobachtungen und Motivationen den Hintergrund des Projekts bilden? 

Michael Roos: Bereits seit einigen Jahren arbeite ich im Bereich der Projekt- und Präventionsarbeit des Elisabethstiftes der Jugendhilfe der Diakonie. Früher standen in der Arbeit mit Schulklassen, Eltern und Lehrerkollegien Inhalte wie der gewaltfreie Umgang miteinander oder die Förderung sozialer Kompetenzen von jungen Menschen im Schulkontext im Vordergrund. Inzwischen werden meine Kollegen und ich hauptsächlich zum Thema "Neue Medien" gebucht. Wobei der Begriff "Neue Medien" kaum noch zutreffend ist: denn Computer, Internet und Handys sind für die jungen Menschen heute nicht mehr "neu", da sie mit ihnen aufgewachsen sind. Als die Computer aufkamen, kam auch der Begriff der "Computersucht" auf. Als das Internet zu einem "Massenmedium" wurde, kam der Begriff "Internetsucht" auf – und das Gleiche passiert heute beim Smartphone. Unbestreitbar gibt es Menschen, bei denen die Nutzung dieser Medien sehr kritisch zu betrachten ist. Nur kann, was Sucht angeht, von einem "Massenphänomen" eben nicht gesprochen werden.  Gleichwohl fiel mir zunehmend auf, dass das Kommunikationsverhalten junger Menschen sich merklich verändert hat - vor mehr als zehn Jahren durch die Nutzung von SMS und E-Mails, später dann durch Soziale Netzwerke wie Facebook und aktuell durch Smartphones, insbesondere durch WhatsApp.

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14.05.2013
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Sven Becker
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