Über diesen Artikel
Datum:
24.05.2013
Autor:
Prof. Ralf Lankau
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/diverses/artikel/gastbeitrag-digitales-lernen-geschaeftsmodell-statt-unterricht.html
Title:
Gastbeitrag: Digitales Lernen: Geschäftsmodell statt Unterricht?
Kategorie:
Gastbeitrag / Interview
gastautoren ralf lankau

Gastbeitrag: Digitales Lernen: Geschäftsmodell statt Unterricht?

grafik lankau
© Ralf Lankau

Ralf Lankau ist Grafiker und Kunstpädagoge und lehrt seit über zehn Jahren als Professor für Mediengestaltung an der Fakultät Medien und Informationswesen der Hochschule Offenburg. Seit 25 Jahren beschäftigt er sich mit digitalen Medien und beurteilt ihren Einsatz im Unterricht kritisch - denn sinnvoll muss er sein, nicht euphorisch.

"Digitales Lernen" war eines der Hauptthemen der diesjährigen Didacta im Februar in Köln. "DIGITAL LERNEN" ist der Titel eines Berliner Magazins und auch der Titel eines Gastbeitrags eines Karlsruher Kollegen dort. Wer recherchiert, wird weitere Beispiele für "digitales Lernen" finden. Man muss einen Beitrag über  "Digitales Lernen" daher heute zwangsläufig mit einer Banalität beginnen: Kein Mensch lernt digital.

Digital ist weder der Mensch noch das Lernen, digital codiert sind Medieninhalte und Medien. Digitaltechnik liefert die Infrastruktur für die Produktion und Distribution von digitalen Medien. Erst, wenn man sich das klar gemacht hat (und dem "Werbesprech der Marketinger" über digitales Lernen die heiße Luft abgelassen) hat, kann man die notwendigen Fragen zum medialen und digitalen Hype sinnvoll stellen: Helfen digitale Medien und Anwendungen bei der Lehre - wenn ja: Wem, bei was? Und: Helfen Rechner, Software und Netzwerkdienste  beim Lernen, wenn ja: Wem, bei was? Nebenbei bemerkt: "Medien im Unterricht" sind eine Konstante seit den ersten Wachstafeln.

Für Antworten auf diese Fragen kann man die Hattie-Studie (Visible Learning, 2008; dt. im Mai 2013) zu Rate ziehen. Diese Übersichts-Studie belegt auf Basis von (in der aktuell ergänzten Ausgabe) über 900 Meta-Studien: Digitale Medien (Computer und Web) schaden nicht, nützen aber auch nicht - im statistischen Mittel. Auf deutsch und so trivial wie notwendig zu formulieren: Es kommt, bei analogen wie digitalen Medien, darauf an, was man damit im Unterricht macht, für was und wie man sie einsetzt.

Es gibt didaktische Szenarien, es gibt Altersgruppen und Unterrichtsthemen, bei denen der Einsatz von Computer, Software und selbst dem Web sinnvoll sein kann - wenn Informationstechnik als Werkzeug sinnvoll eingeführt, die Arbeit am Rechner aufmerksam begleitet und die Anwendungen unter Anleitung genutzt werden. (Zu thematisieren ist dabei ergänzend die Frage der entstehenden Datenspuren. Jeder Mausklick, jedes Wischen im Web wird gespeichert. Für Schulen mit minderjährigen Schutzbefohlenen stellen sich hier konkrete Fragen zum Datenschutz.) Digitale und Netzwerktechniken sind in Alltag und der Medienwirklichkeit junger Menschen so präsent, dass sie auch in der Schule, im entsprechenden Kontext thematisiert werden sollten.

Sinnvoll lässt sich ab der Mittelstufe mit Rechnern arbeiten. Vorher braucht man weder PC noch Tablet, Smartphone oder Netzzugang. Wer das für zu strikt hält, sollte sich amerikanische Schulen anschauen: Schülerinnen und Schüler, auch in der Oberstufe, geben ihre Smartphones beim Betreten der Schulen ab, damit Unterricht und konzentriertes Arbeiten möglich sind. Laptop-Klassen wurden wieder abgeschafft, auch in älteren Jahrgangsstufen sind die Restriktionen rigide. Denn: Niemand braucht Digitaltechnik notwendig zum Lernen.

Aber so, wie man Texte, Grafiken, Filme einsetzt, kann man auch mit digitalen Medien arbeiten. Ziel ist jedoch nicht die Bedienung von Software. Dafür genügen Tutorien und Übungen. Das lernen Schülerinnen und Schüler von ihren Geschwistern und Peers intuitiver und besser als manche Lehrende.

Das Privileg der Jugend ist die oft größere Affinität für digitale Geräte und ein eher spielerischer und dadurch oft schnellerer Zugang zu digitalen Geräten und deren Bedienung. Dreijährige etwa lernen die Bedienung von Spielkonsolen (nach anfänglicher Anleitung) schneller als die meisten Erwachsenen, obwohl sie noch nicht einmal lesen können und die Menüs nur anhand der Wortbilder erkennen und anklicken.

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Datum:
24.05.2013
Autor:
Prof. Ralf Lankau
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Gastbeitrag / Interview
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