Über diesen Artikel
Datum:
02.01.2013
Autor:
Dr. Mandy Rohs
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/diverses/artikel/gastbeitrag-das-social-web-und-schulische-bildung.html
Title:
Gastbeitrag: Das Social Web und (schulische) Bildung
Kategorie:
Gastbeitrag / Interview
Dr. phil. Mandy Rohs     

Gastbeitrag: Das Social Web und (schulische) Bildung

Dr. phil. Mandy Rohs
Dr. phil. Mandy Rohs     
© Mandy Schiefner-Rohs

Dr. phil. Mandy Schiefner-Rohs ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Mediendidaktik und Wissensmanagement an der Universität Duisburg-Essen.

Digitale Medien durchdringen unseren Alltag immer mehr. Spätestens seit der Verbreitung internetfähiger Smartphones steigen die Nutzungszahlen auch von Anwendungen des Social Web, sei es nun der mobile Zugriff auf Social Networks, sei es die Nutzung von Podcasts und Informationsangeboten. Von dieser Entwicklung sind auch Schülerinnen und Schüler nicht ausgenommen, wie Daten der aktuellen JIM-Studie zeigen (JIM 2012). Sie sind gut mit digitalen Medien ausgestattet und nutzen diese häufig in ihrer Freizeit.

Schaut man sich auf der anderen Seite den Umgang mit digitalen Medien in Bildungsinstitutionen, vorgängig in der Schule an, so kann man Schule als „(Neben-)Produkt der Medientechnologie des Buchdrucks“ (Meyer, 2011, S. 16) in weiten Teilen als Gegenpol zu dieser Entwicklung sehen: die Nutzung digitaler Medien wird meist auf den Unterricht beschränkt, in dem digitale Medien didaktisch motiviert eingesetzt werden, um Lehrstoff anschaulicher und motivierender zu vermitteln. Blickt man jedoch über den Unterricht hinaus in die Schule, so sieht man eine Lernlandschaft, in der digitale Medien kaum eine Rolle spielen oder unter die Logik von Schule subsumiert wurden: Es herrschen oftmals Handyverbote, Medien als Inhalt des Unterrichts werden curricular in Form von ITG verankert und die Computernutzung im eigens dafür eingerichteten Räumen ist zeitlich und örtlich limitiert – ein eklatanter Widerspruch zur Mediennutzung von Schülerinnen und Schülern, aber auch Lehrpersonen im Alltag. Auch die aktuell eingerichteten „iPad-Klassen“, in denen keine personalisierten Geräte, sondern Klassensätze zur Verfügung stehen, sind nur Übergangsphänomene auf dem Weg zur selbstverständlichen Integration digitaler Medien in der Schule.

Das eigentlich „Neue“ betritt aber durch die Hintertür die Schule. Denn mit dem Social Web als „emergentem Phänomen“ (Jörissen, 2012, S. 3) erreichen diese fest umrissenen Formen von Medienintegration ihre Grenzen. Veränderungen von Lernen und Arbeiten durch das Social Web führen u.a. zu einer Entgrenzung von Lebens- und Lernwelten, einer Zunahme des informellen Lernens, und es kommt zu Grenzverschiebungen zwischen geschützten und offene Bereichen (vgl. u.a. Kerres, 2006). Neue Informationsformate wie user-generated content und Mash-ups fordern darüber neue Herangehensweisen an Wissensproduktion, welche u.a. für die Schule relevant werden wird.

Schaut man sich inhärente Prinzipien von Social Software an, so lassen sich Widersprüche zu schulischer Bildung aufzeigen: Im Social Web liegt der Fokus auf Selbstbestimmung, Autonomie und das freie Verfolgen subjektiver Interessen;  zentral sind Personalisierung, Individualisierung, das Arbeiten in Netzwerken und Partizipation (auch wenn diese nicht immer eingelöst wird). Obwohl die als Prinzipien von Social Software benannten Aspekte zwar in Teilen schulische Bildungsziele sind, zeigen sie sich jedoch oftmals nicht in schulischer Realität: Dort dominieren trotz angestrebter Kompetenzorientierung feste Curricula, Abschlussprüfungen und Lernstandserhebungen.

Die Herausforderungen für Schulen liegen damit neben dem Umgang in der Auflösung zwischen off- und online, real und virtuell, im Umgang mit partizipativen Elementen und vor allem in der Öffnung zur Außenwelt, die seit Jahrhunderten nicht Teil der Schule war. Historisch betrachtet bestand der Vorteil einer Institutionalisierung in Schulen gerade in dem geschützten Raum für Muße und einer bewussten Trennung von Arbeits- und Lebensformen. Diese Trennung wird immer mehr aufgeweicht, sei es in Form von didaktischen Methoden wie situiertem Lernen und Praxisprojekten, oder in Form der Organisation von Schule als Teil der Gesellschaft.

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02.01.2013
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Dr. Mandy Rohs
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Gastbeitrag / Interview
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