Über diesen Artikel
Datum:
04.04.2013
Autor:
Thorsten Greb
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/diverses/artikel/finanz-und-wirtschaftskrise-setzt-europaeische-bildungshaushalte-unter-druck.html
Title:
Finanz- und Wirtschaftskrise setzt europäische Bildungshaushalte unter Druck
Kategorie:
Studien
Europaflagge     

Finanz- und Wirtschaftskrise setzt europäische Bildungshaushalte unter Druck

Europaflagge
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© (C) European Union PE-EP, Jacques Denier, European Union

Seit nunmehr fünf Jahren hält die Finanz- und Wirtschaftskrise die Europäische Union fest im Griff. Etliche EU-Mitgliedstaaten sind massiv überschuldet –Ausgabenkürzungen in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens sind die Folge. Der Zwang zum Sparen macht auch vor den nationalen Bildungshaushalten nicht halt. Sie geraten vor dem Hintergrund knapper öffentlicher Kassen verstärkt unter Druck, zu diesem Ergebnis kommt das europäische Netzwerk Eurydice in seiner aktuellen Studie „Bildungsfinanzierung in Europa – Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise“.

Laut Studie kam es in den vergangenen beiden Krisenjahren in insgesamt 20 Staaten/Regionen - für die entsprechendes Datenmaterial zur Auswertung vorlag – zu Kürzungen bei den Bildungsausgaben. Besonders gravierende Einschnitte von mehr als fünf Prozent wurden dabei in Griechenland, Italien, Zypern, Lettland, Litauen, Ungarn, Portugal, Rumänien und Großbritannien (Wales) beobachtet. Etwas moderater fielen die Kürzungen in Belgien (Französische Gemeinschaft Belgiens), Bulgarien, Tschechien, Estland, Irland, Spanien, Frankreich, Polen, Slowenien, Großbritannien (Schottland) und in der Slowakei aus. Gleichzeitig stellt die Studie heraus, dass die Bildungsausgaben der europäischen Staaten in den vergangenen zwei Jahren stark fluktuierten, denn in einigen der oben genannten Staaten/Regionen kam es zeitweise sogar zu einem Anstieg der öffentlich aufgebrachten Finanzmittel zwischen einem und fünf Prozent. Mehr als fünf Prozent stiegen die Bildungsausgaben in den letzten zwei Jahren lediglich in Belgien (Deutschsprachig  Gemeinschaft Belgiens), Luxemburg, Malta und der Türkei, heißt es in dem Bericht.

Am deutlichsten bemerkbar machten sich die Einsparungen laut Studie bei der Anzahl der Lehrerinnen und Lehrer im Staatsdienst. In den vergangenen zwei Jahren sei in der Mehrheit der untersuchten Staaten die Anzahl der Lehrerinnen und Lehrer rückläufig gewesen. Das hänge teilweise mit sinkenden Schülerzahlen und durchgeführten Reformschritten zusammen, sei aber auch ein direktes Ergebnis der Sparmaßnahmen. Außerdem stellt die Studie heraus, dass „in den vergangenen zwei Jahren die Gehälter der Lehrerinnen und Lehrer direkt von dem Wirtschaftsabschwung“ betroffen waren. In rund der Hälfte der untersuchten Staaten, stagnierten die Löhne für Lehrerinnen und Lehrer oder wurden gar reduziert. Reelle Lohnsteigerungen ließen sich lediglich in vier Staaten feststellen, nämlich in Tschechien, Polen, Island und in der Slowakei.

Die sinkenden Bildungsausgaben wirkten sich außerdem spürbar auf die Bildungsinfrastruktur – also die Verfügbarkeit und Ausstattung von Bildungseinrichtungen - aus. In sieben der untersuchten Staaten kam es krisenbedingt zur Schließung von vorschulischen und schulischen Bildungseinrichtungen. In acht der untersuchten Staaten wurden zudem Sanierung- und/oder Wartungsarbeiten an entsprechenden Einrichtungen krisenbedingt zurückgestellt. Überraschenderweise sind die Auswirkungen der Krise auf die schulischen IT-Ausstattungen verhältnismäßig gering. Lediglich in vier Staaten, darunter Spanien und Zypern, kam es in Folge der Wirtschaftskrise zu Einschnitten der öffentlichen finanzierten IT-Ausstattung in den Schulen.  Malta und Belgien (Französische Gemeinschaft Belgiens) haben ihre Investitionen in die Ausstattung der Schulen mit Computern verstärkt.

Insbesondere bei den letzten beiden Punkten muss berücksichtigt werden, dass die Studie nur ein unvollständiges Bild wiedergeben kann. Wie in Deutschland sind auch die Bildungssysteme anderer europäischer Staaten dezentral organisiert. Regionale und lokale Akteure entscheiden hier über die schulische IT-Ausstattung, sodass exakte Datenerhebung geschweige denn ein internationaler Vergleich auf nur schwer möglich ist.

Deutschland und die Niederlande haben für die Jahre 2011 und 2012 keine Daten vorgelegt.

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04.04.2013
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Thorsten Greb
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Finanz- und Wirtschaftskrise setzt europäische Bildungshaushalte unter Druck
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