Dr. Martin Ebner: „Alles was in Zukunft nicht OER ist, wird es schwer haben zu bestehen.“

Martin Ebner
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Dr. Martin Ebner ist Dozent an der Universität Graz im Bereich Vernetztes Lernen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im E-Learning, M-Learning, Social Media, Educational Data Mining und Open Educational Resources. DIGITAL LERNEN sprach mit ihm über die Bedeutung und die Zukunft von OERs. 

DIGITAL LERNEN: Wo liegen die Vorteile von OERs für die Bildung? Insbesondere für die digitale Praxis?   

Martin Ebner: Open Educational Resources oder freie Bildungsressourcen sind Inhalte, die frei im Web zugänglich sind, von Lehrenden und Lernenden bearbeitet, geteilt, verändert und auch wieder veröffentlicht werden können. Wenn man sich eine Lehrsituation in einem digitalen Klassenzimmer vorstellt, kommt man sehr schnell auf eine Situation, in der genau dies benötigt wird, sei es nur, indem man als Lernender Arbeitsblätter ausfüllt und dem Lehrenden schickt. Dass man also digitale Inhalte braucht, ist ein logischer, konsequenter Schritt. Und dass man als Lehrender nicht alles selbst machen muss, sondern auf Inhalte anderer zurückgreift, ein zweiter. Nur ist dies durch die Urheberrechtssituation sehr stark eingeschränkt. Denn sind solche Materialien nicht entsprechend im Internet lizenziert (z.B. durch Creative Commons), greift dieses Gesetz und erlaubt es nicht, diese im Unterricht wie oben dargestellt zu verwenden. Leider ist das zumeist der Fall. Daher besteht die Forderung der Notwendigkeit, Inhalte, deren ursprüngliche Intention es war, sie von anderen verwenden zu lassen, ausdrücklich als OER zu deklarieren.  

Ein Problem ist das Urheberrecht, das den freien Umgang mit Kulturgütern auch im Bildungskontext einschränkt. Wie kann man dies aus Ihrer Sicht lösen?   

Die Frage ist so nicht richtig - das Urheberrecht ist eigentlich kein Problem. Es ist ein gutes Recht, welches Autorinnen und Autoren vor Missbrauch durch andere schützt. Unser Ziel ist es nicht, dieses zu ändern, sondern hinzuweisen und Bewusstsein über dieses Recht zu erreichen, so dass Inhalte, die frei zur Verfügung stehen sollen, auch als solche deklariert werden.   

Und wie sieht es mit der Qualitätskontrolle aus? Gibt es da gute Ansätze? 

In mehreren Forschungsarbeiten geht ganz klar heraus, dass die Qualitätskontrolle ein wichtiges Thema ist, aber dass die Community, die immer wieder auf Inhalte zugreift, diese implizit mitmacht und auch bereit ist, die Inhalte weiter zu optimieren und anzupassen. Kurz gesagt ist das nicht so ein so großes Problem, wie man beim ersten Hinschauen meint.   

Gibt es Ideen für die Finanzierung von OERs?   

Ja - es gibt verschiedenste Modelle von öffentlichen Förderungen bis hin zu Crowdfunding. Und man findet hier auch sehr viele bereits sehr gute Beispiele. In Bad Reichenhall beschäftigt sich der Verein BIMS e.V. schon sehr lange mit der Problematik (http://bimsev.de). Zusammen mit der TU Graz ist dort das Lehrbuch Lernen und Lehren mit Technologien (L3T; l3t.eu) entstanden. Auch das jüngste Beispiel, der SCHULBUCH-O-MAT, welcher sein Budget über Crowdfunding aufbaut, zeigt, dass es hier viel Kreativität gibt und vor allem auch einen riesigen Bedarf, da sonst kaum so viele Personen mitmachen würden.   

Wie sehen Sie die Zukunft von OERs?   

Damit es nicht heißt, es ist meine persönliche Meinung, möchte ich auf eine Veranstaltung hinweisen, wo wir mit mehreren Expertinnen und Experten zur Zukunft der Lehrmaterialien gearbeitet haben. Dort kam ganz klar als ein Ergebnis heraus: Alles was in Zukunft nicht OER ist, wird es schwer haben zu bestehen. Mehr findet man dazu unter l3t.eu/zukunft. Auch gibt es erste Strategien an Universitäten, die ganz klar in diese Richtung weisen, wie beispielsweise jene der TU Graz (http://opencontent.tugraz.at). Also kurzum: OER gehört die Zukunft, wir müssen nur konsequent daran weiterarbeiten.  

Über diesen Artikel
Datum:
29.01.2013
Autor:
Sven Becker
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Dr. Martin Ebner: „Alles was in Zukunft nicht OER ist, wird es schwer haben zu bestehen.“
Kategorie:
Gastbeitrag / Interview
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