Der SCHULBUCH-O-MAT ist fertig

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© Schulbuch-O-Mat

Jetzt ist er da, der SCHULBUCH-O-MAT: Das erste offene und freie elektronische Schulbuch Deutschlands, das beinahe nicht Wirklichkeit geworden wäre - das Crowdfunding für das Projekt war nicht ganz einfach. Die Initiatoren Heiko Przyhodnik und Hans Wedenig haben es aber schließlich doch geschafft und mit etwas Verspätung ist in der Zwischenzeit aus dem Pilotprojekt ein modular aufgebautes und kollaborativ erarbeitetes Biologiebuch für die Klassen sieben und acht hervorgegangen. DIGITAL LERNEN sprach mit Hans Wedenig über diesen Erfolg.

DIGITAL LERNEN: Sie haben es geschafft, trotz einiger Unkenrufe aber auch mit viel Unterstützung. Herzlichen Glückwunsch! Was sagen Sie zum erfolgreichen Abschluss des Projekts?

Hans Wedenig: Besten Dank für den Glückwunsch, das freut uns. Und gleich vorab: Klar gab es sie von Beginn an, die klagenden Pessimisten. Bei weitem überwogen allerdings die Unterstützer*innen, die so ein Experiment wie das unsere bzw. die Sache generell natürlich deutlich mehr voranbringen. Der Erfolg gehört jedenfalls den Vielen, die aus unterschiedlichsten Beweggründen und aus allen Teilen des Landes mitmachten. Das ist das besonders Schöne daran.

Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis? Es ist die Version 1.0, das
impliziert die nächste verbesserte Version ja eigentlich schon.

Das ist die eindeutige Botschaft der Versionierung, die wir aus der Softwarewelt für unser elektronisches Schulbuch adaptierten. Zufrieden sind wir damit, dass wir unser Versprechen realisiert haben - sogar annähernd zeitgerecht. Trotzdem geht es uns ein wenig wie Fussballspieler*innen: "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel". Kaum war die erste Ausgabe auf den Servern, waren wir gedanklich schon bei der Version 1.1. Seither beschäftigen uns die Verbesserungspotenziale; ein besonderer Reiz, der diese Form des Schulbuchmachens mit sich bringt, wie wir erstaunt feststellen.

Kann Schulbuch-O-Mat jetzt schon ein verlegtes Schulbuch ersetzen?

Da würde etwas schieflaufen, wenn ein kleiner Schwarm in nur einem halben Jahr so ein spezifisches Know How sammeln und umsetzen könnte, worin sich Verlage seit Jahrzehnten üben. Bei dem Projekt ist es nie um den Ersatz des gedruckten Schulbuches gegangen, vielmehr um eine Variante, Schulbuchwissen Lernenden und Lehrenden 1. zeitgemäß, 2. offen und 3. frei anzubieten. Ob im kollaborativen Erarbeiten denkbare persönliche Vorteile für Mitmachende sichtbar werden, die für eine dynamische Erzeugung von weiteren Inhalten unbedingt notwendig sind, wird sich noch zeigen. Es wird sich auch erst zeigen müssen, welchen Anteil diese Form des Verlegens von Schulbuchwissen erreichen kann oder wird.

Wie war die Zusammenarbeit? Hat sich ein Kernteam herausgebildet oder war es eher ein loser Schwarm?

Da gab es verschiedene Phasen. Zu Beginn, sozusagen in der Euphorie, sah es so aus, dass viel mehr Leute als erhofft mitmachen würden. Je konkreter und spezifischer es wurde, desto mehr schrumpfte der Schwarm. Eine Gruppe von fünf bis sieben Personen war jedoch durchgehend dabei, damit ist weniger die reine Arbeitsleistung gemeint, als das Ziehen an dem gemeinsamen Strang. In den letzten Tagen vor der Fertigstellung der Version 1.0, mitten in der Juli-Urlaubszeit, wurde es dann noch einmal eng mit den Schwarm-Ressourcen. 


Haben Sie über diese Art der freien Zusammenarbeit etwas gelernt, das Sie künftig weiterbringt oder das Sie beachten werden?

Eine ganze Reihe von Dingen, die nur das Machen bringen kann.

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Über diesen Artikel
Datum:
03.09.2013
Autor:
Sven Becker
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/diverses/artikel/der-schulbuch-o-mat-ist-fertig.html
Title:
Der SCHULBUCH-O-MAT ist fertig
Kategorie:
Gastbeitrag / Interview
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